Monatsversammlung vom 7. Juni 2021

Graue Panther — Arbeitsgruppe „Leben mit wenig Geld“

Performance an der Monatsversammlung vom 7. Juni 2021

„Nit scho wiider die Arme!?“

 SCRIPT

 1.)         Begrüssung / Max Gautschi

 2.)         Eröffnung / Katharina, Charly, Gruppe
Sobald Max geendet hat, schüttelt Katharina sachte den Regenstab (Münzen-Geräusch!).

Wir stehen auf, gehen langsam nach vorne, besteigen die Bühne und stellen uns im Halbkreis ums Mikrofon auf. Auf der Treppe singen wir:
              „Money money money, we have no money: it’s a rich man’s world!“.

              Charly spielt die ganze Strophe einmal durch.

              Wir stellen uns am Bühnenrand auf.

3.)         Provokationen
Laut  und  böse,  und rasch hintereinander ins Publikum rufen:

              Olivia:             Nit scho wiider die Arme!

              Christine         In dr riche Schwiz muess niemer verhungere!

              Katharina        Die chönne doch eifach nicht mit Gäld umgoh!

              Rosemarie      Die sinn numme z‘fuul zum Schaffe!

              Olivia              Die sinn sälber tschuld, wenn si so unzueverlässig sinn, kei Disziplin hänn!

              Rosemarie      Armi und Richi het‘s scho immer geh!

              Katharina       Jetz lueg emoll sälli Pflutte n‘aa: Die wieschte Gleider, und e Brülle usem letschte Johrhundert!

              Rosemarie      Unglichi Bildigs-Chance? –  Dasch doch numme e fuuli Usred!

              Christine         Wär schafft und sich aasträngt, dä bringt‘s au zu öppis!

              Stichwort       „bringt’s au zu öppis“
             
             →Charly spielt leise „Money money…“

 4.)         Einleitung / Rosemarie

Vor 2 Johr und 9 Monet het ech unseri chleini Gruppe in ere Monetsversammlig 31 sog.S tatements zum Thema ‚Armuet‘ präsentiert. Sitthär hämmer witter diskutiert, nochedänkt, gläse, und uffgschriebe. Hüt möchte mer Armuet uss zwei unterschiedliche Blickwinkel aaluege:
Zerscht schilderet d’Olivia, was es fürs eigene Gfüehlsläbe und s‘soziale Läbe bedüttet, wemme numme ganz wenig Gäld zur Verfüegig het. „Was macht s’Arm-sii mit mir?“
Im zweite Teil will ich das mit e baar Fakte, Zahle und politische Überlegige ergänze.


Auftritt Olivia.

5.)         A R M U T  an  Geld  Geist  und Seele  (Vortrag in 3 Teilen) / Olivia

Gedanken-Erfahrungen zu Armut:  Armut – ein  Lebens-Zustand mit vielen Gesichtern !
Wir wollen Ihnen heute mit Erfahrungen und Gedanken, welche uns durch betroffene Menschen zugetragen wurden, aufzeigen und näher bringen, was solche Menschen in dieser Lebens-Situation bewegt, bedrückt, aber auch erfreut, und es wäre schön, wenn wir  Ihnen ein verbindendes erweitertes Bewusstsein für diese betroffenen Menschen erwecken können, damit wir diesen Menschen ohne Scheu einfühlender und verstehender  begegnen. Keiner von uns weiss, ob das Schicksal uns vielleicht urplötzlich auch in eine solche Lebens-Situation bringt. – Es ist mutig sich so einem Thema zu stellen, auch wenn wir vielleicht nicht betroffen sind. Hören wir uns an, was diese Menschen fühlen und was sie bewegt.

Drei Fragen haben wir uns gestellt:

  1. Darf Armut ausgesprochen werden ………???
    Welche Folgen bewirkt der Mut des offenen Aussprechens eines/einer Betroffenen, dass es  an Geld fehlt und dein Lebens-Standard überknapp bemessen ist und er oder sie wagt zu sagen  „dies liegt nicht in meinem Budgt“.
    Einige Folgen darauf : Freundlicherweise erhält man etwas geschenkt, wird auch mal eingeladen, worüber man sich freut. – Doch  manche Leute ziehen sich von der betroffenen Person ganz zurück.  Manche Leute gehen auf knappen Rückzug, nicht ganz, weil sie ja sich nicht als hartherzig zeigen wollen, gutsituierte Menschen entwickeln Schuldgefühle, Gewissenbisse, und gegen diese Gefühle empfinden sie Abscheu. Der Betroffene wird nicht mehr oft besucht, vor allem nicht mehr eingeladen.  Der Betroffene wird gemieden. -  Sich mit dem  Status Armut auseinanderzusetzen, wird wenig ernsthaft wahrgenommen, somit kein Bewusstsein dafür entwickelt, und somit wird auch nur ein sehr begrenztes Gefühls-Verständnis entwickelt. Hat der Betroffene einen hohe geistige Entwicklung, wird er  diesbezüglich toleriert, aber nur auf der Verstandes-Basis, auf der Herz-Basis scheint dies offenbar verpflichtend und zu einbindend zu sein, und davor hat man Angst.
    Auf der untersten Stufe mit kaum noch Hab und Gut, zum Beispiel auf der Strasse lebend, ist der Status Armut nicht mehr zu verstecken. Aber im Kampf des Bestehens in der Gesellschaft, wo Status, Anerkennung, gutes Aussehen, Stil, Leistung, Besitztum ‑ sovieles so wichtig scheint, ist die: Frage: “Darf ich meine Armut zeigen, zu meinem begrenzten Lebens-Standard stehen?“, durchaus berechtigt. – Wie kann ich meine menschliche Akzeptanz erhalten, wo so vieles auf Äusserlichkeit aufgebaut ist?   Es bringt den/die Betroffene in eine Zerrissenheit des  Auf und Ab.
    Ja, wie lange versteckt der Betroffene seinen Armuts-Zustand ……???

Und da kommt die nächste Frage auf, die uns bewegt ‑ nach dem musikalischen Intermezzo:

  1. Was macht Armut mit der Psyche ??
    Wie fühlt sich der von Armut betroffene Mensch?
    Offen zu diesem Armuts- Status zu stehen, braucht Überwindungskraft, Mut, Festigkeit im Selbstwert. Er fühlt sich freier durch seine Ehrlichkeit sich selber gegenüber. – Und trotzdem fühlt er /sie sich wegen seiner nicht mehr versteckende Offenheit fast schuldig, denn einige gezeigten Reaktionen des Personen-Umfelds geben ihm emotional die Empfindung, noch mehr ausgegrenzt zu sein. Oft überkommt den Betroffenen ein beschämendes Gefühl, selbst bei den Wenigen, welche in irgendeiner Form Hilfe zeigen, eine zwiespältige Dankbarkeit kommt auf. Auf der einen Seite berührende Freude, auf der anderen Seite Auseinandersetzung mit der Dankbarkeit, denn was hast Du noch, was du zurückgeben könntest?
    Der Betroffene wird sich der Unfreiheit und Abhängigkeit noch stärker bewusst.
    Seine Psyche entwickelt ein Schutzgefüge:          

              Christine:        Du verzellsch nüt me Persönlichs über di sälber.

              Rosemarie:     I gang nie meh in Usgang!

              Katharina:       Du chasch dir Kultur-Verastaltige nümm leischte.

              Rosemarie:     Kürs sinn z‘düür, die würde mis Bütsche voll spränge.

              Olivia:             Du chasch zu Yladige kei Gschänk mitbringe, drum seisch halt oft ab.

              Rosemarie:     Ich cha‘s nümm ghöre, was anderi für tüüri Reise gmacht hänn, oder was me sich eso alles leischtet …. I cha’s nümm ghöre!!
           
Du bemerkst, wie Du zu einem „Neutrum“ wirst. Dein Sinn-Inhalt für das Leben entzieht sich immer mehr dem masslosen, unmässigen Lebens-Stil. Du bekommst eine andere Sicht auf das Leben. Du siehst klarer die Ungerechtigkeiten, welche Du vorher in der gutsituierten Situation nicht vollständig realisiert hast vor lauter  Ehrgeiz und Leistungs-Streben und unter immer gefordertem Leistungs- Druck. Das nicht mehr Teilhaben am Luxus bringt aber auch einige positive geistige wie kreative Seiten in Dir wieder zum Vorschein. In der Bescheidenheit und Entbehrung bildet sich eine eigene neue Kreativität , der Geist wird wacher.

Natürlich hilft  eine genossene Bildung. Aber in der Kreativität braucht es keine Leistungs-Bildung, da braucht es Phantasie und mutiges Wagen zum Umsetzen. Wer keine ethische Bildung erhalten hat, wird es mit der Leistungs-Bildung allein schwer haben, in dem dem Profit-Markt-Geschäften schadlos zu bleiben. Eine ethische Bildung kann aber mindestens die Psyche stützen. Wahrnehmend sieht man, dass selbst gebildete Betroffene es schwer haben, aus einer Armuts-Situation sich herauszukämpfen. -  Es stellt sich die berechtigte Frage: Ist Armut nicht ein Hinweis darauf, dass gesellschaftlich einiges in Unausgewogenheit festgefahren ist ?

Verzweifelt sucht der Betroffene nach Einnahmequellen. Ab und zu wird eine zeitlich befristete Arbeit gefunden, wie zum Beispiel:
             
              Christine:        Go butze
              Katharina:       Hilfsbedürftigi Lütt betreue
              Rosemarie:     Nochhilfe-Unterricht gäh
              Christine:        Bim Flohmärt hälfe
              Katharina:       Irgend e Deilzitt-Arbet …
             
Das Auf und Ab hat einen zermürbenden Einfluss auf die Psyche. Wenn Du dazu noch im fortgeschrittenen Alter bist,  besteht kaum die Möglichkeit, dass sich die Situation wieder verbessert. Also setzt Du Dich wieder mit Dir selbst auseinander und zusätzlich damit, dass das Alter oftmals abwertend behandelt wird. Totale Not-Einschränkung ist nötig.

Sind Geist und Körper im Alter noch einigermassen gut, bekommst Du zwar Bewunderung, aber nicht mehr die Gleichwertigkeit wie in jüngeren Jahren. Du bist also in ständiger Auseinandersetzung mit der Abwertung des Leistungssystem-Denkens, obwohl Du dich Deines Werts als Mensch bewusst bist. Es bleibt Dir nichts anderes übrig, als ein anderes Wert-Denk-Muster zu entwickeln. Das schaffen auch einige Betroffene. Doch gibt es wahrscheinlich viele verschiedene schicksalbedingte und altersbedingte Richtungen. Einige fühlen sich gesellschaftlich nicht mehr voll zugehörig.

Laufend wirst Du neben deiner altersbedingten Unbrauchbarkeit auch an Dein Ableben erinnert. … Es ist vorstellbar, dass viele in dieser Phase psychisch zerbrechen, sodass der Körper gezwungenermassen den Abbau vollzieht, welcher Dir aufprogrammiert wird - den körperlichen Zerfall in Gang setzt. -- Dein Aufbäumen dagegen braucht viel Kraft, sodass Du öfters in depressive Stimmung und Resignation kommst.         

              Charly:            New Orleans Funeral

Depressive Stimmung :    Oh,  depressive Menschen sind wiederum nicht beliebt, denn die heutige Gesellschaft hat keine Zeit, sich dieser Menschen anzunehmen.  (Ausser die Psychiater, welche damit gut Geld verdienen, aber nur bedingt helfen können.)  .… Es sind Menschen, welche einfach einmal aufmunternde Worte brauchen, Annahme spüren wollen, Zuneigung erhalten dürfen , sich Liebe wünschen.
Ja, Corona hat uns hier zusätzlich gezeigt, was es bedeutet, Gefühle und Nähe nicht mehr austauschen zu können. Müssen oder dürfen wir eine neue geistige Nähe entwickeln, welche auf einer mehr platonisch-geistigen Liebes-Ebene sich vertieft? - Unsere Gesellschaft ist zunehmend hartherzig und starr geworden, das zeigt sich auch in der Sprache. - Hilfreichen Trost zu geben, zu trösten ist Seltenheit geworden, ausser zwischen den engsten Angehörigen. Aber im Alter sind viele allein . Haben wir Zeit, gerade diesen Menschen eine geistige Umarmung zu schenken ? -  Ja, da kommt auch die emotionale Armut  zum Vorschein. Diese verspüren nicht nur alte Menschen, vermehrt leiden auch junge Menschen an emotionaler Armut. Wenn die emotionale Armut die Seele verkümmern lässt, kommt es zu gewalthaften menschlichen Exzessen. Erschreckend auch die wachsenden Suizid-Zahlen von jungen Menschen.

Aber zurück zur Aktivität in der Armuts-Situation und im Alter:  Alles was man noch selber ohne Abhängigkeits-Hilfe tut, bekommt einen hohen Stellenwert. Aber dieses Engagement im Alter wird
oft als skurril herabgewürdigt oder abgewertet mit Aussprüchen, wie z.B.

             
              Katharina:       Mängi chönne eifach nit uffhöre!
              Christine:        Was söll das ‑ in diim Alter?!
              Rosemarie:     Aber, aber aber, do loht sich öpper lo goh! Die Frau wäscht sich nümm                                     jede Daag!  Müemer ächt jetzt  d‘  iischalte?!
              Katharina:       Dä cha eifach nit alt wärde!
              Christine:        Dass die sich nicht schämt!?!  tz tz tz
              Rosemarie:     Also, so öppis macht me doch in däm Alter nümm!

             
Lebenswille und Aktivität im Alter werden gemobbt.  Aktivität wird Dir nur noch begrenzt gegönnt. Es wird versucht, dich in eine starre Ruhephase zu bringen. Aber viele Menschen im heutigen Alter lassen sich nicht unterkriegen. Einige halten dagegen und lassen sich nicht demotivieren, und das ist gut so!  Denn Aktivität hält mobil !

Ein Beispiel dafür ist die Graue Panther-Band, von der wir jetzt ein kleines Solo hören:
           
            Charly             „Das Wandern ist des Müllers Lust“

  1. Kann der Arme mutig zu seinem Armut-Status stehen ………???
    Menschen, welche authentisch zu sich selber stehen, fühlen sich wohler in Geist und Seele , weil sie nämlich ihrer Seele kein unterdrückendes Leid zufügen. Sie sind seelisch weniger verwundbar.

    Wie empfindet dein Geist, deine Seele die Armut?

Der Geist hat damit keine Probleme, denn er orientiert sich nicht an Leistung, dies macht der Verstand, darum kannst Du dich vertrauensvoll im Geist mit Dir wohlfühlen und frei sein. Durch Armut wirst Du auch losgelöst vom systemhaft abhängig machenden Konsum-und fragwürdigen Lebens-Vorgaben. Du wirst irgendwie wieder ursprünglich authentisch … und 
f r e i.  Dein Geist ist jetzt wacher als je zuvor, weil Du auch Zeit hast zu sehen und zu spüren.
Du siehst diese schöne Welt, obwohl sie mit vielen menschlichen Unstimmigkeiten belastet ist. ….
Übernimmt der Verstand wieder die Kontrolle über Dich, unterliegst Du wieder allen aufdoktrierten vorgegebenen menschgemachten Normen, welchn Du dich leider aepasst, um zu überleben, welche du ausschöpfen musst um zu existieren. – Aber Du willst nicht festgefahren sein ….. Auch nicht im Alter und auch nicht in der Armut !  Also versuchst Du immer wieder, Dich zu arrangieren mit den drei Seiten des Armuts-Zustandes. Du spürst, dass diese drei Seiten in Einklang gebracht werden müssen.
Die finanzielle wie auch die emotionale und die geistig-seelische Seite. –  Wie willst du, Mensch, das anstellen? Wie erstellen wir Menschen ein erträgliches Gleichgewicht?  An was orientiert und misst sich der Mensch? Wir haben die Wahl ….
Der Reichtum der Seele misst sich nicht in Geld und Macht, sondern im Herzen. Ein Reicher kann viel besitzen, aber in seelischer Armut leben, so wie ein Armer seelisch reich sein kann, aber nichts besitzt. – Darum begegne deinem Gegenüber bitte nie vorurteilhaft-wertend. Auf der Gefühlsebene der seelischen Unbefangenheit ist es möglich, positive Bindungen zwischen armen und reichen Menschen zu schaffen. Geld-Bindungen sind zwar hilfreich, aber sie werden nie die Wärme einer seelischen Herz-Bindung erreichen.

Probieren Sie es aus , schenken Sie Wärme und Akzeptanz gerade den Menschen, die am Rande der Gesellschaft sind –

  • - denn sie leben in einem Dauerlockdown, und es braucht Mut, in Armut zu leben
    -  und es braucht unser aller Mut und Tatkraft, auf diese Menschen zuzugehen, Veränderungen anzugehen.

    Jeder Einzelne entscheidet:
      was er zulässt
    2.  ob er wegsieht
    3.  ob er tätig wird

    Jeder Einzelne entscheidet sich selbst für einen achtungsvollen friedlichen Umgang mit dem Nächsten, und ob er ein verantwortungsvolles, ausgewogenes schadloses Leben auf unserer Erde führt.
    Und ob wir diese Erde achtungsvoll gesund erhalten, denn auch sie kann in Armut stürzen !

Vielleicht rauchen Ihnen jetzt die Ohren, aber Hochachtung an Sie, dass Sie mir so geduldig zugehört haben.  Nur ein Wort will ich noch sagen  ‑  Danke!

             
              → Charly         „Nach em Räge schint d’Sunne“  (lüpfige Töne)

6.)         Am Kaffeetisch / Christine und Beatrice
              Gespräch zwischen Freundinnen über den schwierigen Alltag mit wenig Geld.

              [….]

             

              Charly, leise:        „Money money….“,

Christine und Beatrice räumen Tischlein und Stühle zurück, sitzen ab.

Charly spielt weiter, bis alles verräumt ist
Auftritt Rosemarie.

7.)       Arm und reich – ein Naturgesetz? / Rosemarie

            7.a)  Zitat
            „Die ungleiche Verteilung der Einkommen und Vermögen ist eine grosse Ungerechtigkeit.          Einige Wenige verprassen, was Allen gehört!“
            Besser hätte es Papst Franziskus nicht sagen können!


            7.b)  Ungleiche Verteilung
Wenn wir über Armut sprechen wollen, kommen wir nicht darum herum, den grossen Reichtum in unsere Überlegungen mit einzubeziehen. Die einen haben zuwenig bzw. bekommen zuwenig, andere haben sehr viel.  Vielleicht  z u v i e l ?

Diese ungleiche Verteilung ist  n i c h t  einfach die Schuld der Einzelnen, weder die aller Reichen und schon gar nicht die der Armen. Sie ist weitgehend im System angelegt!  (Es gibt Stimmen, die sagen, diese Ungleichheit sei gewollt.)

Das System heisst Neoliberalismus. Es heisst Kapitalismus!
Wer ob diesem Wort erschrickt, will es vielleicht nicht wirklich wissen! Diese leider sehr verbreitete Haltung „I will’s nit wüsse!“ geht immer zulasten der Bemühungen um mehr Gerechtigkeit.

Dass die reichsten 10 % der Schweizer Bevölkerung drei Viertel aller Vermögen besitzen ‑  Immobilien, Land, Aktien, Firmenanteile, und anderes ‑  das wird wohl niemand von uns für eine gerechte Verteilung halten, oder?             

Nicht nur Besitztümer sind ungerecht verteilt, sondern auch die Einkommen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt ausschliesslich von ihrem Lohn. Sie sind ‚Lohn-Abhängige‘, denn sie haben ausser ihrer körperlichen und geistigen Arbeitskraft nichts, was sie zu Geld machen können, welches ja zum Leben gebraucht wird.

Da die Hälfte der Bevölkerung so gut wie kein Vermögen besitzt, können diese Menschen  – anders als Reiche, die sich dabei von gewieften und gut bezahlten Vermögensverwaltern beraten lassen ‑ kein Kapitaleinkommen (Zinsen, Dividenden) generieren.

Lohnabhängige bekommen für ihre Arbeit nur gerade so viel Lohn, wie die sogenannten Arbei-Geber ihnen zugestehen, also geben wollen! Das Geld für die milliardenhohen Dividenden, die in die Taschen des reichsten einen Prozents fliessen, fehlt bei den Löhnen!
An Geld fehlt es in der Schweiz nicht, aber an der Bereitschaft, die Reichsten zur Kasse zu bitten.

Niedrige Löhne machen es den Arbeitenden schwer bis unmöglich, Reserven anzulegen, die über eine Krise hinweghelfen könnten.  Auch eine sichere Altersvorsorge ist so kaum zu machen.

Wie die Grossrätin Melanie Nussbaumer kürzlich in einem Leserbrief geschrieben hat, gibt es in Basel rund 18‘000 Personen, die trotz eines 100%igen-Erwerbspensums unter der Armutsgrenze leben.  Die Nationalrätin Sibel Arslan zählt ein wenig anders; laut ihr haben wir in Basel 15‘000 Vollzeit Arbeitende, die weniger als 4000 Franken verdienen. Zwei Drittel davon sind Frauen!
Man arbeitet Vollzeit und kann vom Lohn nicht leben!

Wovon sprechen wir, wenn wir „Armut“ sagen?  Wenn eine Einzelperson hierzulande weniger als  2‘300 Franken Einkommen im Monat hat, gilt sie als arm.  Bei einer vierköpfigen Familie liegt die Armutsgrenze bei rund 4‘000 Franken.

Im Alter leben viele Senioren – und vor allem Seniorinnen – hauptsächlich von ihrer AHV-Rente. Falls im Leben beruflich alles so einigermassen gut gelaufen ist, kommt noch eine kleine Pensionskassen-Rente dazu.

Im Durchschnitt bezogen Männer im Jahr 2019 monatlich Fr. 2900.-- Pensionskassen-Rente, Frauen nur Fr. 1500.--. Materielle Not bedroht im Alter also vor allem die Frauen. ‑  Und solange sich die Renten nach den Löhnen richten, wird sich das niemals ändern: Tiefe Löhne führen zu tiefen Renten!

Wenn das Geld nicht reicht, kann man Ergänzungsleistungen beantragen. Betroffene berichten oft, dies sei ein kräftezehrender, bürokratischer Hürdenlauf, man müsse sich dafür quasi „blutt abzieh“. Also alles, alles offenlegen.

(Ein von mir kurzfristig vorgeschlagenes musikalisches Intermezzo ‚Itsy bitsy teenie weenie Honolulu Strandbikini“ kam leider nicht zustande!)

Eine 13. AHV-Rente wird an der ungleichen Einkommensverteilung im Alter kaum etwas ändern. Wer eine gute Rente hat, bekommt  v i e l  dazu, während die EmpfängerInnen von Niedrigrenten nur  w e n i g  mehr bekommen. Die Ungleichheit wird also eher noch verstärkt! Es müssten jene viel bekommen, die wenig haben, nicht alle anteilmässig gleich viel!!  Und: Eine strukturelle Armutsbekämpfung müssteganz  anders aussehen.

Wir brauchen eine AHV-Reform, die vor allem die niedrigen Renten verbessert, damit diese endlich den Lebensbedarf angemessen decken.  Was wir ganz sicher nicht brauchen können, ist ein Rentenabbau!

Will sich die reiche Schweiz überhaupt eine anständige, solidarische Altersvorsorge leisten?

Die Ungleichheit zwischen gut Verdienenden und Niedriglohn-EmpfängerInnen hat auch damit zu tun, dass in unserem System die Bildungs- und Aufstiegs-Chancen, und damit die Verdienst-möglichkeiten, nicht für alle gleich sind.

Es kommt halt immer noch drauf an, wo und in welches Milieu du zufällig hinein-geboren wirst!

Die Ungleichheit zwischen Armen und Reichen wird immer grösser. Immer mehr Kapital ist – auch weltweit – in immer weniger Händen konzentriert.  Und: Was bei den Reichen im Überfluss vorhanden ist, fehlt bei den Armen. Wir alle subventionieren das Leben von Superreichen! Zur Illustration dieser These empfehle ich DAS MAGAZIN vom 5. Juni 2021.

Ich empfehle auch diese Lektüre: ‚Wie Reiche denken und lenken‘ [BUCH ZEIGEN!], in welchem Ueli Mäder und seine MitarbeiterIn die Gesetzmässigkeiten schildern, wie in der Schweiz Reichtum entsteht und weitergegeben wird: Geld geht nämlich mehrheitlich dorthin, wo schon Geld vorhanden ist.
Zu den häufigsten Quellen von Ungleichheit gehört die Vererbung von grossem Reichtum.
Die niedrigen Erbschaftssteuern bzw. eine absurd flache Progression tragen auch dazu bei, dass Reichtum meist unter sich bleibt.

Habt ihr genug gehört? Dann wechsle ich jetzt das Thema!
Oder doch nicht?

              Wir lagen einsam zuhause und hatten Corona vor der Tür.“  
              Charly spielt die Melodie weiter, klingt aus bei ‚ahoj ahoj‘….
 

            7.c)     Folgen der Corona-Krise

Die Seuche trifft nicht alle gleich! Aus der Gruppe der ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung lagen doppelt soviele Leute auf einer Intensivstation wie aus der Schicht der reichsten zehn Prozent.
Das gibt zu denken, nicht wahr?

Viele Corona-Bekämpfungsmassnahmen haben die Ungleichheit zwischen arm und reich nochmals verstärkt. Dies liegt weitgehend an der Wirtschaftspolitik einer bürgerlichen Mehrheit, die zu einer immer ungleicheren Verteilung des Wohlstands geführt hat. Diese bürgerliche Mehrheit im Bundeshaus unternimmt auch viel, damit Vermögende vom wirtschaftlichen Einbruch möglichst verschont bleiben.

Ich schildere gern ein paar Beispiele für die ungerechte Verteilung von Geldern während der Krise:

  • Einige Konzerne haben Kurzarbeitsgeld u.a. dafür genutzt, um ihren Aktionären Dividenden auszuzahlen – trotz Krise!
  • Der Blocher-Konzern schüttet 398 Millionen Franken Dividenden aus.
    Das ist mehr als ihre gesamten Lohnkosten!
  • Oder die SWISS: Vor kurzem erst wurde sie mit anderthalb Milliarden Franken Steuergeld unterstützt. Nun hat sie ihren Managern – während der Krise  ‑ Boni ausbezahlt. (Buh!)
    „Dafür“ hat sie im Januar den Piloten den GAV gekündigt!!  (Buh! Buh!)
    Und sie will 1‘700 Vollzeitstellen streichen! (Buh! Buh! Buh!)
  • Auch die SRG-Spitze lässt sich nicht lumpen. Mitten in der Krise lässt sie sich nebst fürstlichen Löhnen auch hohe Boni auszahlen Sie nennen es variable Lohnanteile.
  • Allgemein haben Leute mit grossen Einkommen nur geringe Einbussen erlitten; teilweise haben sie sogar Gewinne gemacht!
    Aber die Ärmsten haben von ihrem gewohnten Einkommen durchschnittlich 20 %, das ist ein Fünftel!, weniger zur Verfügung!
  • Die Taskforce hat wiederholt wirksame Eindämmungs-Massnahmen gegen die Ausbreitung von Corona empfohlen, z.B. ShutDows. Kantone und Bundesrat haben das immer wieder abgeschwächt, weil sie die Ausgaben tief halten wollten („Weil es etwas gekostet hätte!“).
    Auf Kosten von sozial Benachteiligten!!

Diese Beispiele zeigen eine bedenkliche Tendenz der Schweizer Regierung, vornehmlich die Reichen zu begünstigen. Auf Kosten von Armen. ‑  Haben wir eine Regierung nur für die Reichen?

            7.d)  Wollen wir das ändern?  Können wir das ändern?
Möchten wir nicht lieber in einer Welt leben, in der alle Güter gerecht und nachhaltig verteilt sind, mit Rücksicht auf alle Lebewesen und auf die Erde selbst? - Wir können es schon beeinflussen!
Wir haben die Wahl! Buchstäblich: Es liegt an uns, wie wir abstimmen und wen wir wählen.

               Charly:  „Trittst im Morgenrot daher“

8.)         Fragen an das Publikum  / Christine + Katharina

              Katharina:       Für was entscheidisch du di? – Gäld oder Härz?

Christine:        Worum laufsch am Bättler vrbi und gisch em nüt?

Katharina:       Wievill willsch eigentlich mit ins Grab neh?

Christine:        Hesch in Zuekunft meh Verständnis und Achtig für armi Lütt?
                        Odr willsch immer no mit eme Härz us Stei dur‘s Lääbe goh?

Katharina und Christine ab.
Auftritt Rosemarie

9.)       Wie geht es weiter mit der Arbeitsgruppe „Leben mit wenig Geld?“ / Rosemarie

Wir haben uns seit mehreren Jahren mit dem Thema ‚Armut im Alter‘ beschäftigt. Wir haben uns ausgetauscht, über persönliche Lebensumstände, psychische Befindlichkeiten, alters- und geschlechts-spezifische Schwierigkeiten und auch konkrete materielle Probleme.

Dabei haben wir übrigens etliche system-bedingte Armutsfallen entdeckt:
Auftritt Olivia.

  • Zuwenig Lohn bekommen!
  • Frau sein!
  • Keine Ausbildung haben!
  • Einen ‚typischen‘ Frauen-Beruf ausüben.
  • Heiraten und die Erwerbstätigkeit aufgeben. („Dem Mann den Rücken freihalten!!“) Hihi…..
  • Kinder haben!
  • Teilzeit arbeiten. Das heisst weniger als 100 %!
  • Alleinstehend, also als Single, leben.
  • Das Arbeitsleben unterbrechen, z.B. wegen einer Rucksack-Weltreise oder einer anderen wichtigen Auszeit).
  • Kinder haben!
  • Sich scheiden lassen!
  • Kinder alleine aufziehen!
  • Einfach ein freies und selbstbestimmtes Leben führen wollen!
    Alles Armutsfallen!

Olivia ab.


Zur Verbesserung von prekären Lebensumständen und zur Vermeidung von verhängnisvollen Fehlern haben wir viele Hinweise und Tipps gesammelt. Auf der Website der Grauen Panther, unter dem Stichwort ‚Armut‘, können sie eingesehen werden.

Jetzt wollen wir uns neu orientieren. Wir halten es für wichtig, dass wir über die eigene Nase, also über den Vereinsrand, hinausschauen. Die Arbeitsgruppe „Leben mit wenig Geld“ soll kein reiner „Denk- und Debattier-Club“ bleiben. Bei wirtschaftlichen Entwicklungen und politischen Entscheiden, welche die Armut nicht mildern, sondern weiter anwachsen lassen, wollen wir protestierend unsere Stimme erheben und uns einmischen.
Leider frisst die Bewältigung unseres normalen Alltags oft schon all unsere Energie auf. Für politische Arbeit bräuchten wir also mehr „Personal“.  Falls du - oder du - bei uns mitmachen möchtest, bist du herzlich willkommen!

            Stichwort       „…herzlich willkommen!“:
            Charly:            Leise:  „Dene wo’s guet geit…“

10.)    Danksagung / Rosemarie
Jetz wett i no Dankschön sage!
I dank allne Gruppemitglieder fürs engagierte, kreative Mitdänke bi de Probe, und au für ihri Geduld mit minere Unsicherheit und glägentliche Flippigkeit. I dank dr Olivia, dass mir vo ihre Erfahrige im Theatermache hänn dörfe profitiere. I dank dr Angela (wo hütt leider nicht drbi isch) für ihri Aregige ‚zmitts usem Läbe.‘ Und i dank dr Katharina, dass si so engagiert für d‘Angela igsprunge isch. I dank dr Christine und der Beatrice für dr freimüetig Iblick in ihre Alltag. Mir alli danke em Charly für sis fründliche und immer geduldige Mitmache und sini schöne musikalische Ilage, wo d’Vorträg hoffentlich echli uffglockeret hänn! Im Max Gautschi danke mer für sini wohlwollendi Unterstützig, und em Herr Lichtenhahn, dass är all die Stüehl uffgstellt und d‘Bühni für uns igrichtet het.
Euch allne danke mir für d‘Geduld beim Zuelose, und für euchi Nochsicht, wenn emoll öppis nit ganz klappt het….

I möcht euch no sage, dass sich unseri Gruppe morn Nomidag bi mir dehei trifft. Mir wänn midenand die ‚Performance‘ uuswärte und au echli fiire. Euche n’Idruck und euchi Meinig interessiert uns, drum möchte mir euch härzlich drzue ilade!
Es churzes Delifon vorhär wär vilicht no guet! - Ihr findet mis Chärtli im Chörbli bim Usgang. Danke!

11.)       Lied vom Gutgehen (nach Mani Matter)
              Den 1. Teil singt Rosemarie allein (Mikrofon!)
              Dene wo’s guet geit, gieng’s besser, gieng’s dene besser, wo’s weniger guet geit.
              Was aber nit geit, ohni dass’s dene weniger guet geit, wo’s guet geit.“

              → Den 2. Teil singen wir gemeinsam – (Rosemarie am Mikrofon)
              Drum geit weni, für dass es dene besser geit, wo’s weniger guet geit.
              Und drum geit’s o dene nit besser, wo’s guet geit!“


Max. lädt das Publikum ein, Fragen zu stellen und sich zu äussern.


              Charly:         „If I was a rich man“ (aus „Fiddler on the Roof“)

 

           ENDE DER PERFORMANCE !

 

Anhang:  Teilnehmende, Quellen, Zitate, Präzisierungen etc.

Mitgemacht haben:
Olivia Lang, Katharina Zaugg für Angela Oosterveld, Christine Ruckstuhl, Leitung: Rosemarie Imhof.
Als Gast am Kaffeetisch: Beatrice Niggli.

Musikalische Intermezzi:
Charly Bowald

Quellen:

  • George Orwell, , Down and Out in London and Paris, deutsch: Erledigt in Paris und London, Diogenes Verlag, Zürich, 1978
  • Ueli Mäder und Elisa Streuli: Reichtum in der Schweiz. Porträts – Fakten – Hintergründe. Rotpunktverlag, Zürich 2002.
  • Ueli Mäder, Ganga Jey Aratnam, Sarah Schilliger: Wie Reiche denken und lenken.    Rotpunktverlag, Zürich 2010.
  • Ueli Mäder: ch – Geld und Macht in der Schweiz. Rotpunktverlag, Zürich 2015.
  • Sahra Wagenknecht, Reichtum ohne Gier, Frankfurt, Campus-Verlag, 2016
  • Thomas Piketty, Ökonomie der Ungleichheit, Beck Verlag, München, 2016
  • BZ und TA vom 7.5.2021: Berichte über SWISS und Helvetic bzgl. Personalabbau.
  • BZ vom 19.5.2021 „Ich arbeite, und doch reicht es Ende Monat nicht.“ (Verein kantonaler Mindestlohn)
  • Tages-Anzeiger vom 24.2.2021 „Frauen trifft die Krise härter“
  • Tages-Anzeiger vom 29.3.2021 „Das Problem ist nicht mein Grosi“, sondern die fehlende Bereitschaft, die Reichsten zur Kasse zu bitten.
  • WochenZeitung vom 24. 12.2020 „Krisengewinner: Vorwärts nach Zürich Paradeplatz“
  • WochenZeitung vom 1.4.2021 „Machtlos auf einem Devisenberg“
  • WochenZeitung vom 6.5.2021 „Corona ist ein Klassenvirus“. Armut als gesundheitlicher Risikofaktor ist hierzulande noch immer ein Tabu.
  • Das Magazin vom 5.6.2021, Seiten 10 – 17: Wir alle subventionieren das Leben von Superreichen/Paula Scheidt
  • Ze!tpunkt Nr. 155, Mai-Juni 2018. Seiten 10 und 14.
  • Archipel, Zeitung des Europäischen BürgerInnenforums
  • CasaNostra, Februar 2021 (AHV-Renten)
  • SP/Links, Nr. 13, 2021
  • WIDERSPRUCH Nr. 75, Enteignen fürs Gemeinwohl, 2020
  • Work Zeitung der UNIA, Nrn. 3 und 4 vom Februar und März 2021, und Nr. 8 vom Mai 2021
  • VZ News, Vermögenszentrum, Mai 2021
  • ZV Info, Öffentliches Personal Schweiz, Mai 2021, Seiten 6 – 8

 Zitate:

„Die ungleiche Verteilung der Einkommen und Vermögen ist eine grosse Ungerechtigkeit.
Einige Wenige verprassen, was allen gehört!“ (Papst Franziskus, 18. November 2018)

„Armut meint mehr als Besitzlosigkeit. Armut heisst: nicht haben, nicht sein, nicht können, nicht dürfen. (Erwin Kräutler)

„Ich glaube immer noch, dass man mit viel Geld nie etwas Anständiges zustande bringen wird.“
(Friedrich Glauser)

 „Never be deceived that the rich will allow you to vote away their wealth!" (Lucy Parsons)

„Ein Dieb ist nicht, wer genommen hat, was er benötigt, sondern wer behält und anderen nicht gibt, was er nicht benötigt, was andere aber brauchen.“ (Leo Tolstoi)

„Armut ist m.E. ein Phänomen, das in unserer Gesellschaft mehrheitlich nicht wahrgenommen werden will. Sie wird ignoriert bzw. aktiv verdrängt. Man will sog. 'kognitive Dissonanzen' vermeiden, weil sie Angst machen und/oder Verhaltensänderungen implizieren würden. Was nicht sein darf, kann nicht sein. Dabei ist es doch mit der Armut ähnlich wie beispielsweise mit dem Hunger: Eigentlich würde es für alle auf dieser Welt genug geben. Aber dies ist nur mit einer Menschheit möglich, die sich grundsätzlich als Gemeinschaft versteht und in Tat und Wahrheit auch so lebt.“ (Ueli Keller)

„Eine Utopie ist wie der Horizont; sie weicht zurück, wenn man sich auf sie zubewegt.
Wofür ist sie also da, die Utopie? Um zu gehen.“ (Eduardo Galeano)

Liedtexte zur Melodie: Wir lagen vor Madagascar‘ / Pest = Corona.  Auswahl:
„Wir lagen einsam zu Hause und hatten Corona vor der Tür. Von der Arbeit hatten wir Pause, und eine Portion reicht jetzt für vier.“   Oder:
„Wir sassen in unsrer Klause und hatten Corona vor der Tür. Bei den Reichen sprudeln die Boni,
und die Armen teilen sich ein Bier durch vier.“  Oder:
„Wir lagen nicht traulich beisammen und hatten einander nicht gern. Die Reichen häuften Gewinne,
und in Bern sah man das nur allzugern!“

Präzisierungen und Ergänzungen:
Die aktuellen AHV-Renten:  Minimalrente (bei voller Beitragsdauer) Fr. 1195.--,
Maximalrente  Fr. 2390.—,  Ehepaare  Fr. 3585.—

Ungleiche Verteilung: Was ‚oben‘ zuviel ist, fehlt ‚unten‘: Steuergelder, AHV (Abbau), Pensionskassen (Umwandlungssatz-Senkung). Es wird gespart! Beim Umweltschutz, bei der Bildung, bei der Kinderbetreuung (Kitas), im Gesundheitssystem und anderswo. ‚Sparen‘ heisst hier meist ‚abbauen‘.

In Beantwortung der (rhetorischen?) Frage von Angeline Fankhauser: Viel Geld geht andauernd von den Ärmeren zu den Reicheren: Mieten, Versicherungen, Pensionskassen, Säule 3a, etc. Abzüge von Steuern entlasten die Reichen mehr als die Armen, denn Ärmere haben in der Regel keine Steuerberater, die alle Tricks für Abzüge kennen. Zudem kommen sie häufig „nit druss“. Gut entlöhnte Finanz- und Steuerberater helfen den Reichen!!

Reiches Alter? „Die Generation der über 65-Jährigen besitzt über die Hälfte der privaten Vermögenswerte in der Schweiz. Zählen wir Liegenschaften, Pensionskassen und Vorsorgegelder dazu, sind das mehr als 2000 Milliarden Franken.“ (Aus: Wie Reiche denken und lenken, Kap. 5.10, S. 116

Provokationen:

Wer die ganze Liste der gesammelten Gemeinheiten über arme Menschen lesen will, kann sich gern bei mir melden!

Stille Frage:

Was sollen die ZuhörerInnen nun tun, wenn sie erkannt haben, dass es Vielen Leuten nicht gut geht,
und dass es sehr ungerecht ist, wenn diese zuwenig haben für ein würdevolles Leben??

Rosemarie Imhof

Copyright:
Rosemarie Imhof, Arbeitsgruppe „Leben mit wenig Geld“, Graue Panther Nordwestschweiz, Juni 2021