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Monatsversammlung vom 4. Dezember 2017 mit Richard Wherlock

„Ich LIEBE meinen Beruf“

Ballettdirektor am Theater Basel, Chefchoreograph, Leiter von „Basel tanzt“, FCB-Fan, Basler Bürger, Ehrespalebärglemer – all das und noch viel mehr ist Richard Wherlock. Der Tänzer und Choreograph aus Leidenschaft hat auch das zahlreich erschienene Publikum unserer Monatsversammlung vom 4.Dezember mit seiner Begeisterung und seinem Engagement angesteckt.

Seit 2001 prägt er das Ballett am Theater Basel. Viele starke Inszenierungen gehen auf sein Konto. Seinen wohl grössten Erfolg hat er 2015/16 mit „Tewje“ gefeiert, jener hinreissenden Zusammenarbeit mit der Klezmerband Kol Simcha. Die gute Nachricht, die er an unserer Versammlung preisgab: Das Stück kehrt in der nächsten Saison zurück, in Basel und auch in Tel Aviv. Zeit, Richard Wherlock einmal zu uns zum Gespräch zu bitten.

Talent und Glück
Im locker-gehaltvollen Dialog mit GL-Mitglied Max Gautschi erzählte Wherlock aus seinem Leben und Wirken. 1958 in Bristol geboren als Kind einer Kohlearbeiter-Familie, flog er mit 15 aus der Schule, genoss aber trotzdem eine glückliche Jugend, sagt er. Seine Eltern wünschten dass er Anwalt werde oder so. Das war aber den Jungen, der Spprt und Bewegung über allles liebte, keine Option.
So begann er mit 15 begann eine Tanzausbildung in London (nicht an der hochnäsig-steifen Royal Ballet School, sondern an der „Number two“ in London, da sei es viel lustiger gewesen). Nach nur zwei Jahren hatte er dank seinem Talent unverschämtes Glück: Er wurde ausgewählt, in der hauseigenen Balletcompagnie einen verunfallten Tänzer zu ersetzen. Das war sein erstes Engagement, im Ballet Rambert. Später hatte er Lust, auch selber zu choreographieren. Mit 33 erlebte er eine neue Glücksstory: Er schrieb, wie er uns lustig schilderte, ziemlich grossmäulige Bewerbungen an viele deutsche Theater. Es funktionierte: „Out of the blue“ wurde er nach Hagen in Nordrhein-Westfalen engagiert, als Ballettdirektor. Dort baute er während fünf Jahren mit Erfolg eine eigene Tanztruppe und seinen eigenen Ruf auf. Das blieb nicht ohne Folgen. Das Telephon klingelte – Horst Statkus aus Luzern war dran: Richard, willst du nicht nach Luzern kommen..? Antwort: YES! „Es war ein wunderschönes Jahr in Luzern“, sagt er. Richard prägte auch die KKL-Eröffnung mit. Von da an war er endgültig berühmt und wurde „headhuntered“, d.h. er bekam Angebote von überall her, aus Wien, Berlin, Nancy, Mainz…. Er entschied sich für Berlin umit einem Vertrag für 7 Jahre an der Komischen Oper. Dann klingelte das Telephon erneut, Anruf aus Basel: Richard, hast du Lust, nach Basel zu kommen? „Ich sagte YES. Und ich bin immer noch da und bin sehr glücklich“. Seit 2001.

„Ungaubliche Akzeptanz“
Sein erstes Erlebnis in Basel: „Ich wurde gekauft..!“. Er inszenierte in der Messe für 6000 Franken einen von einer Freundin organisierten Abend für taubstumme Menschen. Sein erster Eindruck in Basel: eine „unglaubliche Akzeptanz, man sagte uns ‚welcome‘“. Seither wohnt er mit seiner Familie im eigenen Haus an der Allschwilerstrasse.
Am Theater habe er eine Champions League Compagnie aufgebaut, sagt er ohne falsche Bescheidenheit. „Wir tanzen in China, Deutschland, Frankreich, überall, sind Botschafter für die ganze Schweiz. Aber der Erfolg hier in Basel ist am immer am wichtigsten“. Er versuche ein möglichst breites Angebot von hoher Qualität zu schaffen, auf allen drei Bühnen, und auch für Junge attraktiv zu sein. „Meistens gelingt das.“ Eines seiner Rezepte lautet: Education and Entertainement.

Viel Unterstützung
Erfolg und gute Auslastung aber gehen nur mit grosser Unterstützung. Wherlock betont immer wieder das grosse Glück, dass er viel Unterstützung geniesse, vom Publikum, von der Ballett-Gilde, aber auch von Sponsoren. So sind von seiner 30köpfigen Tanztruppe nur 20 vom Theater engagiert, die anderen 10 sind von Privaten gesponsert. Oder: die wichtige medizinische Physiotherapie für die Tänzerinnen und Tänzer ist ebenfalls privat gesponsert. Wherlock betont auch gern, dass seine 30 Leute aus 13 verschiedenen Nationen stammen und sozusagen alle Hauptfarben und Religionen vertreten. Da wird auch sein soziales Engagement sichtbar: ein Ensemble bilden und zusammenhalten, egal, woher die Menschen stammen. Gern spricht er auch über die vielen verschiedenen „Schulen“ in der internationalen Tanzszene, über die Einflüsse etwa des Street Dancing oder auch des Kampfsports auf die Entwicklung des Tanzes. Er tanzt übrigens selber auch noch, „aber nicht auf der Bühne“.

Seit einem Jahr besitzt Familie Wherlock die roten Pässe. „Das ist eine Ehre“, betont er. Noch vorher wurde er Ehrespalabärglemer, und irgendwie fand er es speziell und war berührt, dass diese Plakette am Boden an „einen Ausländer“ vergeben wurde... Das hat seinen Entscheid offenbar beschleunigt.

Ja, und jetzt kann man nur hoffen, dass nicht bald das Telephon klingelt in seinem Büro: Richard, möchtest du nicht nach …. kommen..?“

Thank you, Mr.Wherlock!

Martin Matter