Die Misshandlung älterer Menschen ist noch immer ein Tabuthema. Während die Öffentlichkeit in letzter Zeit durch schockierende Vorfälle in einzelnen Alters- und Pflegeheimen auf diese Problematik aufmerksam wurde, geschieht die Mehrheit der Übergriffe durch betreuende Familienmitglieder.

Geschätzt wird, dass rund fünf Prozent aller Betagten - das sind etwa 50'000 Menschen - in der Schweiz physisch oder psychisch misshandelt werden.

  • Körperliche Gewalt: Schlagen, Zufügen von Verbrennungen, Festhalten oder Festbinden, Verabreichung von überdosierten Medikamenten
  • sexueller Missbrauch
  • Emotionale Gewalt: Beschimpfungen, Drohungen, Beleidigungen, Einschüchterungen, Demütigungen, Liebesentzug, Einschränkung des freien Willens, Isolierung, Schweigen
  • Finanzielle Ausbeutung: Entwendung von Geld oder Gütern, Unterbindung der Verfügungsmacht, Streichung des Taschengelds, Nötigung beim Verfassen des Testaments
  • Vernachlässigung: bewusstes Unterlassen der notwendigen Pflege, Verweigerung der Versorgung mit Essen und Medikamenten


Aehnlich wie bei den Kindsmisshandlungen unterscheidet man auch bei betagten Menschen fünf Arten von Gewaltanwendung:

Viele Misshandlungen - gerade innerhalb der Familie - haben ihre Wurzeln in alten Geschichten, die nie ausgesprochen wurden oder basieren auf einer Ueberforderung bei der Pflege.

Viele alte Menschen nehmen die Misshandlung hin, weil sie keinen Ausweg aus ihrer fatalen Situation sehen oder weil sie Angst haben, in ein Heim gesteckt zu werden. Auch Drittpersonen, die Misshandlungen in ihrem Umfeld vermuten, verschliessen davor oft die Augen, weil sie fürchten, einen Konflikt zu provozieren, die Schweigepflicht zu verletzen oder den Job zu verlieren.

Indizien für die Misshandlung von Betagten können sein:

  • hinausgezögerte Arztbesuche   
  • vage oder unwahrscheinliche Erklärungen für die Verletzungen;
  • unerwartete Verschlimmerung einer chronischen Krankheit   
  • Demenzkranke, die allein den Arzt oder die Notfallstation aufsuchen

 (Text: Dep.des Inneren, Kanton SO)

Das Thema ist schwierig und dornenvoll. Wir haben ihm eine ganze gewidmet. Wir sind gefordert! 

Das Thema ist dornenvoll. 2009 haben wir ihm eine ganze Pantherpost 2009 gewidmet. Auch, aber nicht nur, deswegen fordern die Grauen Panther eine unabhängige Beschwerdestelle für das Alter, möglichst für die ganze Nordwestschweiz, nach dem Vorbild jener Stellen, wie es sich bereits in mehreren Kantonen gibt. Informationen dazu gibt es hier.

Weiterführende Links:

NR-Vorstoss Gewalt im Alter  und Antwort des Bundesrates, November 2011

Koordinierte Prävention und Bekämpfung von Gewalt im Alter

Menschenrechte und Gewalt im Alter

Im Player unten kann man eine Radiodiskussion über häusliche Gewalt anhören:
Böses Blut - Häusliche Gewalt im Alter, Doppelpunkt Radio DRS vom 5.11.2009
Anhänge:
Diese Datei herunterladen (ber-br-heim-d.pdf)Bericht des Bundesrates zur Motion Heim, 28.1.2015[Eindämmung der häuslichen Gewalt][1]585 kB