«Trauere nicht, wenn du etwas nicht mehr kannst, sondern freue dich an dem, was du noch kannst»

Felix Mattmüller wollte Gerechtigkeit und Würde für alle. Er dachte dabei immer zuerst an die sogenannt kleinen Leute. Als Pädagoge und Rektor der Basler Kleinklassen kämpfte er unablässig für eine menschliche und demokratische Schule. Die Liste seiner Publikationen ist lang. In den 70er-Jahren prägte die lebenslange Bildung der Erwachsenen die Diskussion der Bildungspolitiker und Bildungspolitikerinnen. Felix Mattmüller-Frick handelte, wie immer visionär. Demokratie 2000 hiess das Projekt: Er wollte Bildung für Alle, als Basis für gelebte Solidarität. Kleine Gruppen diskutierten über ein Thema, das ihnen am Herzen lag, vier Abende lang. Dann konnte jede teilnehmende Person die Führung einer neuen Gruppe übernehmen. Ein Schneeballsystem der Bildung! Damit war aber kein Geld zu machen, vielleicht deshalb erlahmte später das Ganze.


Felix Mattmüller-Frick war auch Grossrat, immer wieder gewählt nach der vierjährigen Karenzzeit der Amtszeitbeschränkung. Als Politiker hat er das fortgesetzt und verknüpft, was ihm als Pädagoge wichtig war: Demokratie, Chancengleichheit und menschenwürdige Arbeitsplätze. Bei den Grauen Panthern, die noch damals Graue Panther Basellandschaft, Baselstadt und Region hiessen, war er bis zum Jahr 1999 der erste Präsident. Auch da setzte er sich dafür ein, dass Alle gehört werden, auch wenn die Stimme altersbedingt nicht laut genug sein sollte. Ältere erinnern sich sicher an die Abstimmung zur Trambeschaffung, wo Niederflurtrams durchgesetzt wurden. Jetzt haben wir die Combinos und Tangos.


Er mahnte auch, sich nicht einschüchtern zu lassen und zum Beispiel sein Recht auf Ergänzungsleistungen geltend zu machen, solange die AHV nicht existenzsichernd sei. «Trauere nicht, wenn du etwas nicht mehr kannst, sondern freue dich an dem, was du noch kannst», empfahl er seinen Grauen Panthern immer wieder. Ob er diese weise Empfehlung auch selber nachleben konnte? Nun hat er uns 89-jährig verlassen. Er hat eine breite nachhaltige Spur hinterlassen. Dafür sind wir ihm dankbar.

Angeline Fankhauser

Veröffentlicht in der BZ, 5. April 2013