Monatsversammlung vom 3. September 2018

Statements der AG 'Was tun, wenn das Geld nicht reicht ....?'

  • Armut hat verschiedene Seiten: eine finanzielle, eine soziale und eine emotionale. - Nichts für Feiglinge!
  • Arm sein bedeutet, anders zu sein. In einer reichen Gesellschaft wie der unseren bedeutet dies, weniger wert zu sein, kein soziales Prestige zu haben. Armut wird Man steht am Rande der Gesellschaft, gehört nicht richtig dazu.
  • Wer nicht selber knapp dran ist, kann sich kaum vorstellen, was es konkret bedeutet, arm zu sein. Man lernt Armut erst dann richtig kennen, wenn man sie am eigenen Leib erlebt.
  • Armsein kann zu Gefühlen der Einsamkeit und des Unwertseins führen. Aber auch in der Gesellschaft zeigt sich Armut. Es ist eine emotionale Armut, denn viele Menschen sind zu Mitgefühl und Solidarität kaum fähig.
  • Es sollte eigentlich Kurse geben, wo man lernen kann, mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten gut zu leben. - Kurse sind aber teuer; ich könnte mir keinen leisten...
  • Wieso spricht man im reichsten Land der Welt nicht offen über Geld?
  • Arm sein ist mit hohem physischem und psychischem Stress, mit Hektik und Unruhe verbunden. Immer wieder bin ich unterwegs, auf der Suche nach Informationen oder Dienstleistungen. - Ich bräuchte mal Erholungsferien von Armsein.
  • Ich kann es einfach nicht s a g e n ! Dass ich kein Geld habe! Ich schäme mich dafür, dass ich arm bin! Im Erfinden von Ausreden bin ich mittlerweile sehr kreativ geworden.
  • Es ist mir peinlich, mit Anderen über meine finanziellen Verhältnisse zu sprechen, mich quasi zu 'outen'. Deshalb nehme ich nicht an einer Gruppe teil, in der man über Armut spricht, ihr ein Gesicht gibt.
  • Meine Grosseltern waren 'armengenössig', wie man damals sagte. Auch meine Eltern waren arm. - Ist Armut eigentlich vererbbar?
  • Früher ging es mir finanziell ganz gut. Seit ich wenig Gald habe, hat sich nicht nur mein Portemonnaie, sondern mein ganzes Leben verändert.
  • Seit ich arm bin, besuchen mich meine Freunde kaum noch. Ich werde nicht mehr eingeladen. Arme Leute werden gemieden. - Stinkt Armut?
  • Ich gehe kaum noch aus! Der Eintritt ins Kino oder ins Theater oder ein Essen im Restaurant übersteigen mein Budget. ("Ich hoffe, dass mich mein Neffe nicht zur Hochzeit einlädt - ich habe nichts 'Anständiges' zum Anziehen.")
  • Ich kann liebe Freunde nicht mehr zum Essen einladen; es kostet einfach zuviel! Ausserdem ertrage ich ihre Gespräche über tolle Ferienreisen nicht mehr, und welche Schnäppchen sie sich wieder geleistet haben.
  • Wenn ich zum Essen eingeladen werde, muss ich oft ablehnen, mit einer Ausrede, denn ich habe kein Geld für ein Gastgeschenk. Ich geniere mich, einen billigen Wein mitzubringen, aber einen teuren kann ich mir nicht leisten.
    Ich könnte auch keine Gegeneinladung machen.
  • Ich rede mit Anderen fast nicht mehr über Persönliches, bin zu einem Neutrum geworden.
  • Ich kann kaum noch etwas für mein Aussehen oder meine Gesundheit tun. Bildungskurse, Coiffeuse, Sport, gute Kosmetik liegen im Budget nicht drin. Es ist alles soo teuer!
  • Eine Freundin schenkt mir ihre teuren Kleider, die sie nicht mehr trägt. Schenken heisst hier aber eher 'entsorgen', denn ich brauche das alles nicht!. Sie spart sich so die Entsorgungsgebühr. Dabei bildet sie sich ein, Gutes zu tun. Sie sollte mir lieber Geld geben!
  • Freunde bieten mir Geld an. Doch ihre Hilfe hat oftmals einen 'Pferdefuss', wenn sie nicht uneigennützig ist. Es wird Dankbarkeit erwartet oder eine Gegenleistung, entweder emotionaler oder handwerklicher Art.
    Hilfe anzunehmen ist nicht leicht. Manchmal sogar teuer: Man muss bei Gelegenheit den Mund halten!
  • Dankbar sein zu müssen, erzeugt einen starken inneren Druck. Man entwickelt Abwehrgefühle; das kann bis zu Wut und Aggression gehen.
  • Wenn ich Geschenke annehme, bedanke ich mich. Wenn ich monetäre Hilfe bekomme, frage ich mich auch, ob ich die Spenderin / den Spender darüber informieren soll, wofür ich das Geld verwende? Muss ich mich rechtfertigen?
  • Willkommen sind Geld-Geschenke zur freien Verfügung. So bleiben beide Seiten - SpenderIn und EmpfängerIn - frei von Verpflichtungen.
  • Früher, als es mir finanziell noch gut ging, fiel mir manche Ungerechtigkeit nicht auf.
    Jetzt schon!
    Ein kleines Beispiel dafür sind Mitgliederbeiträge. Alleinstehende bezahlen teilweise mehr als die Hälfte des Paartarifs, das ist ungerecht! Singles haben viel höhere Fixkosten, denn sie können nichts teilen. Ausserdem bekommen Paare und Familien vielerorts Vergünstigungen. Haben Sie schon mal von einem Singles-Rabatt gehört?
  • Manche Fachpersonen auf Beratungsstellen sind erschreckend wenig kompetent. Sie kennen nur ihr eigenes Schublädchen, haben keinen Ueberblick über das ganze soziale Hilfesystem. Natürlich werden sie das unter keinen Umständen zugeben. Sie überspielen ihre Unsicherheit mit Arroganz.
    Es ist schwer, die Inkompetenz von Fachpersonen auszuhalten.
  • Immer wieder werde ich auf andere Aemter geschickt, bekomme andere Beratungs- Personen, muss mich nach anderen Vorgaben und anderen Regeln richten. Immer wieder muss ich alles von vorne erklären; es macht mich fertig!
  • Ich bin immer die Bittstellerin!
  • Es ist ja schön, wenn man erfährt, dass man EL beziehen kann. Leider sagt mir auf dem Amt niemand, was mir im einzelnen zusteht, ich muss alles selbst herausfinden. Das ist enorm stressig.
  • Ich kann bei der Winterhilfe gratis Kleider beziehen? - Warum sagt mir das auf den Ämtern keiner?
  • Warum hat mich nie jemand auf die Möglichkeit einer Schuldenberatung aufmerksam gemacht, bevor es zu spät war?
  • Viele Hilfs-Angebote nehme ich nicht in Anspruch: Zu kompliziert, zu anstrengend.
  • Es gibt viele Umstände, die mich daran hindern können, Hilfsangebote zu nutzen. Zum Beispiel die eigene Antriebsschwäche, Bequemlichkeit oder Depression. Ferner Stolz, Scham, Trotz. Auch bürokratische Hürden und unverschämte Fragereien. Manche AmtsBürokratie fühlt sich an wie Schikane.
    Und immer wieder die Angst vor Demütigung.
  • Über Geld spricht man nicht, heisst es in der Schweiz. Wir Armen müssen aber an vielen Orten über jeden Rappen, den wir haben oder nicht haben, genau Auskunft geben.
  • Ich suche immer wieder verzweifelt nach neuen Einnahmequellen. Das ist stressig und manchmal auch demütigend. Ein paar Stunden Putzen hier, ein paar Tage Gartenarbeit dort. Und immer das Gefühl, dass ich dafür dankbar sein müsste.
  • Ich komme immer wieder in unangenehme Situationen, wenn ich weniger geben kann als Andere.
    Ein Beispiel: An der GV der GrauenPanther steckt ein Ehepaar 10 Franken ins Körbli, ich gebe 5 Franken - und werde scheel angeschaut. Dabei ist es ja nicht einmal weniger
  • Mein treues Haustier ist krank, es benötigt dringend ärztliche Behandlung. Ich weiss nicht, wovon ich die teure Tierarzt-Rechnung bezahlen soll!
    Auch müsste ich meine Zähne sanieren lassen, aber ich kann mir diese hohe Ausgabe nicht leisten.
  • Ab und zu, wenn ich sehr frustriert bin, kaufe ich mir Dinge, die ich nicht unbedingt brauche. - Ich darf mir doch auch mal etwas Schönes gönnen!
  • Die Werbung belästigt mich. Täglich. Sie führt mir immer wieder vor Augen, dass meine finanziellen Möglichkeiten sehr beschränkt sind. Das ist schwer auszuhalten.
  • Ich beziehe keine Ergänzungsleistungen, weil ich dafür zu stolz bin. Ich war im Leben immer selbständig und mit wenig zufrieden. Meine Entscheidungsfreiheit ist mir mehr wert als das zusätzliche Geld.
  • Seit ich arm bin, sind mir viele Türen verschlossen. Aber es sind auch neue Türchen aufgegangen.
  • Ich habe eine schärfere Wahrnehmung entwickelt und bin weniger manipulierbar geworden.
  • Ich freue mich über solidarische Gesten und hilfreiche Tipps oder wenn unverhofft ein Couvert mit einem Geldschein hereinschneit...
  • Prioritäten setzen macht Freude! Wer an einem Ort spart, kann sich an einem anderen etwas Schönes leisten.
  • Durch den Zwang zu haushälterischem Umgang mit wenig Geld entwickle ich ein anderes Konsumverhalten, und ich finde heraus, was mir wirklich wichtig ist.
  • In der Bescheidenheit entwickelt sich Kreativität, der Geist wird wacher.
  • Ich erkenne meinen Selbstwert neu. Ich werde innerlich unabhängiger von FremdMeinungen und entwickle mein eigenes gesundes Werte-System, ohne Gier und Masslosigkeit.
  • Ich lerne, gängige Normen und Denkmuster zu hinterfragen. Wieviel Ordnung, Sauberkeit und Hygiene brauche ich? Wieviel 'gepflegtes Aussehen'? Wozu brauche ich ein geländegängiges Auto? Wieviel Grosszügigkeit mir selbst und anderen gegenüber kann ich mir leisten?
  • Ich werde jeden Tag besser darin, souverän mit meiner Situation umzugehen.
  • Ich habe in der Armut gelernt, mutiger zu sein.
  • Der Mainstream kann mich mal.....
  • Meine Welt ist in Ordnung. Ist es die deinige auch?
  • Das Gegenteil von Armut ist nicht Wohlstand, sondern Gerechtigkeit!
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