Monatsversammlung vom 2. September

"Über das Gehirn wissen wir viel, aber eigentlich zugleich wenig bis nichts". Alphonse Probst, emeritierter Professor für Neuropathologie in Basel, erklärte uns den Stand des Wissens über den "Eiweissklumpen" namens Hirn und stiess damit bei unseren Mitgliedern auf reges Interesse. <br><br>

Die Geschichte der Hirnforschung setzt erst im 17.Jahrhundert wirklich ein. Die vergangenen Jahrzehnte haben zwar sehr viele Forschungsergebnisse gebracht, aber enorm viele Fragen sind offen Wir werden gemäss Prof.Probst noch Jahrhunderte benötigen, um das Hirn zu verstehen -- ähnlich wie beim Universum. Falls wir es überhaupt jemals wirklich verstehen.

Hier  ein paar der wichtigsten Aussagen aus dem Vortrag:

  • dass gewisse Tätigkeiten (Beispiel: intensives Jonglier- Training) Hirnregionen erweitern, ist ein Vorgang,  der auch im Alter funktioniert.
  • der altersbedingte Verlust an Hirnvolumen, der ab etwa 50 Jahren einsetzt, beträgt " etwa ein Glas Wasser, oder Wein", wie Probst sich ausdrückt. Die verschiedenen Hirnregionen sind unterschiedlich stark von der Schrumpfung betroffen. Die Region für Problemlösung etwa nimmt messbar ab.
  • die alte These, wonach mit zunehmendem Alter Nervenzellen absterben, hat die Wissenschaft grosse modo als Mythos entlarvt. Bei Alzheimer-Patienten hingegen ist das Absterben von Nervenzellen Tatsache. Bei gesunden Menschen ist sogar das Gegenteil der Fall:
  • Erwachsene generieren neue Nervenzellen (sog.adulte Neurogenese); diese Erkenntnis ist neu, noch vor kurzem galt dieser Vorgang als ausgeschlossen.
  • unsere heutigen Kenntnisse über den Aufbau der Gedächtnisstrukturen verdanken wir im wesentlichen einem einzigen Patienten (verstorben 2008), der in jungen Jahren einen Unfall mit Hirnschäden erlitt und danach von unzähligen Wissenschaftern untersucht wurde.
  • wir haben zwei Arten von Gedächtnissen: das Langzeitgedächtnis speichert Inhalte,  z.B. den Inhalt von Prof.Probsts Vortrag für die nächsten Tage. Das sog.prozedurale Gedächtnis hingegen funktioniert anders, es speichert etwa die Fähigkeit, Velo zu fahren.
  • Alzheimer: die Krankheit setzt in jener Hirnregion ein, die für das Langzeitgedächtnis zuständig ist; am Ende der Entwicklung sind grosse Teile der Grosshirnrinde betroffen. Die Krankheit wird sichtbar durch Verlust des Langzeitgedächtnisses und durch Erschwerung bei alltäglichen Tätigkeiten (prozedurales Gedächtnis hat Defizite).
  • Alzheimer lässt sich nicht vermeiden! Es existiert keine Therapie. Möglich sind nur Prophylaxe und, wenn die Krankheit ausgebrochen ist, eine Verzögerung der Symptome. Mehr nicht.
  • Alzheimer-Prophylaxe: die Wissenschaft ist hier völlig einer Meinung und hat nachgewiesen, dass das Beste in andauerndem Hirn-Training besteht. Man soll das Hirn "dauernd etwas unter Druck setzen",  d.h. mit  lesen oder irgendeiner Beschäftigung, welche die grauen Zellen anregt. <br>
  • die These, dass "sehr alt = dement" eigentlich der Normalfall sei, stimmt überhaupt nicht. Probst nannte das Beispiel jener Französin, die das Rekordalter von 122 Jahren erreichte und deren Hirnfunktionen so gut waren wie die eines etwa 65Jährigen.  MM
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