Monatsversammlung vom 7.Oktober 2013

Gibt es eine "städtische" und eine "ländliche" Kultur? Was taugen Kulturleitbilder? Wer kann die hohen Einttrittspreise heutzutage noch zahlen? Diesmal widmete sich unsere Monatsversammlung einem besonderen Thema: Kulturpolitik in den beiden Basel. Beide Kantone haben sich ein Kulturleitbild gegeben -- natürlich unabhängig voneinander. Immerhin können Kulturschaffende aller Bereiche heute Förderanträge an gemeinsame Kulturkommissionen richten. Philippe Bischof, seit zweieinhalb Jahren Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt und Verfasser des Leitbilds, und Christoph Meury, Kultur-Allrounder und bis vor kurzem Leiter des erfolgreichen Roxy Birsfelden, diskutierten unter Leitung von Remo Gysin über Stärken und Schwächen staatlicher Kulturförderung und über die  mentalen Schranken zwischen den beiden Basel.
Ältere Leute sind heutzutage immer stärker in kulturelle Vorgänge und Projekte einbezogen, und Ältere sind häufig auch gute und treue Kulturbesucher, hielt Bischof fest; deshalb gibt es in Basel keine spezifische Kultur-Zielgruppe 55+ wie etwa in Deutschland. Das sei gut so, findet Bischof, und auch Christoph Meury kann der "Etikettierung" von verschiedenen Zielpublika nichts abgewinnen; im Roxy sei das Publikum immer extrem durchmischt gewesen. Die Basler Kulturabteilung beschäftigt sich vielmehr mit dem Problem, wie man Junge (d.h.Leute unter 40) und Menschen mit Migrationshintergrund (34% der Basler Bevölkerung!) den Kulturangeboten näherbringen könnte. Neben der öffentlichen Hand, die in Basel insgesamt 124 Millionen für die Kulturförderung in allen Bereichen ausgibt, ist Basel mit besonders viel privaten Förderern und Mäzenen gesegnet, die wohl noch einmal etwa soviel Geld aufbringen.
Das Kulturleitbild ist eine Handlungsanweisung für die Behörden. Zu den grossen Herausforderungen für Basel gehört das Theater, das wohl nie mehr auf seine 220'000 Zuschauer kommen wird,  meinte Bischof. Nicht zuletzt deshalb, ergänzte Meury, weil das Kulturangebot in den letzten 20 Jahren massiv gewachsen ist; Publikum gebe an sich nicht weniger, aber es verteile sich anders, eben "in die Breite", den veränderten Berdürfnissen folgend.
Vom Kulturleitbild BL ist Meury recht enttäuscht, weil es ausser einer nützlichen Auslegeordnung wenig Zukunftsweisenden enthalte. Vieles werde höchstens angetönt. Vor allem bewege man sich immer innerhalb der sog. "städtischen" und "ländlichen" Kulturbegriffe und ihrer gegenseitigen Abgrenzung statt stärkerer Verschränkung. . Die Agglomeration, deren Bewohner nicht nur ländliche Laienkultur geniessen wollen, sondern sich am städtischen Angebot orientieren, komme schlicht nicht vor. Rund 45% der Schweizerinnen und Schweizer aber wohnen heute in einer Agglomeration, das gelte es gezielt einzubringen, mit gemeinsamen Projekten beider Basel. Zum Beispiel einem gemeinsamen Musikhaus im Hafen Birsfelden.
Viele Probleme wurden in der Diskussion angesprochen: Die hohen Eintrittspreise etwa, die sich viele Leute nicht mehr leisten können. In der Tat ein ernstes Problem, sagte Bischoff; fast alle Veranstalter spüren die wirtschaftlichen Folgen. Zudem bestehe in der Politik dauernd die Angst vor Budgetkürzungen im Kulturbereich; der frühere Konsens, dass Kulturförderung klar eine Staatsaufgabe bildet, sei brüchig geworden. Auch der Wunsch nach besserer digitaler Information etwa über Ausstellungen, wichtig gerade für ältere Menschen, wurde laut. MM

 

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