Monatsversammlung vom 3.Februar 2014

Informationen aus erster Hand über Leistungen, Preise, Stärken und Probleme der öffentlichen Spitex in Basel-Stadt und Baselland erhielt unsere stark besuchte Februar-Monatsversammlung von Dr. Dorothea Zeltner Kamber, Geschäftsführerin SPITEX Basel, und Lukas Bäumle, Geschäftsführer Spitex-Verband Baselland. Aus dem praktischen Alltag einer Spitex-Mitarbeiterin berichtete zudem Salome Müller von der Spitex Birseck.
Auf den ersten Blick ersichtlich sind die Unterschiede in den beiden Basel: Während es in Basel eine einzige öffentliche Organisation gibt, die Spitex Basel (inzwischen sind aber auch rund 40 private und kommerzielle Organisationen am Markt tätig), ist die Spitex auf der Landschaft Sache der 86 Gemeinden. Dafür sind die Tarife für Spitex-Leistungen seit kurzem in der ganzen Schweiz einheitlich geregelt. Die Stundenansätze liegen zwischen Fr. 54.60 und 79.80, je nachdem, ob es sich um sogenannte Grundpflege, um Behandlungspflege oder Bedarfsabklärung handelt. Das sind die Tarife, die von den Krankenkassen vergütet werden. Nur: jeder Versicherer arbeite ein bisschen anders, wie Lukas Bäumle erklärte, und es werde sehr genau hingeschaut, wieviel Stunden da eingesetzt werden. Deswegen seien die Klagen, wonach die Spitex-Leute ständig unter Zeitdruck stehen und "minüteln", ziemlich häufig. Die Beteiligung der "Kunden" an den Kosten wurden im Baselbiet im Sinne eines Kompromisses festgelegt: maximal 8 Franken pro Tag. Neu gibt es im Baselbiet die Akut- und Übergangspflege nach dem Spitalaustritt, die bei Bedarf vom Spitalarzt während maximal 14 Tagen angeordnet werden kann und die den Kunden nichts kostet. Bei den hauswirtschaftlichen Leistungen der kommunalen bzw.regionalen Baselbieter Spitex-Organisationen ist von Preis-Gleichheit nicht mehr die Rede: die Tarife schwanken laut Schäuble wegen unterschiedlicher Leistungen zwischen 25 und 60 Franken pro Stunde je nach Gemeinde.  Generell wünscht sich Bäumle künftig etwas weniger, da für grössere Spitex-Organisationen im Baselbiet, weil grössere Organisationen mehr Leistungen erbringen können. Die wachsende Zahl privater Spitex-Organisationen bezeichnet Bäumle ausdrücklich nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung. Im Baselbiet erhalten diese Privaten keinerlei öffentliche Gelder, in Basel-Stadt hingegen schon.

In Basel-Stadt äusserten sich laut Dorothea Zeltner über 90 Prozent der Kunden zufrieden bis sehr zufrieden mit der öffentlichen Spitex. Gute Noten erzielten vor allem Angebotsbreite, Schnelligkeit, Fachkompetenz, Verlässlichkeit. Negativ bewertet würden die Zeitfenster, die gewisse Unpünktlichkeit, der häufige MitarbeiterInnen-Wechsel. Die Spitex-Geschäftsführerin warb um Verständnis für diese Aspekte. Vor allem gebe es ausgeprägte Bedarfsspitzen, vor allem am Morgen; Hausordnungen (Waschpläne!) und andere Rahmenbedingungen schränken die Mitarbeiter ein. Entgegen einem hartnäckigen Gerücht seien die häufigen Personal-Wechsel keineswegs beabsichtigt: Das Arbeitsgesetz schreibt Arbeits- und Ruhezeiten fest, es gibt die Ferien, aber auch Krankheit, Mutterschaft etc. Das könne eben dazu führen, dass die Kunden im Schnitt 5 bis 8, in gewissen Fällen auch wesentlich mehr, verschiedene Mitarbeiterinnen zu Gesicht bekommen. Man suche Verbesserungen in der Art, dass jetzt jeder Kunde und jede Kundin eine definierte Ansprechsperson besitzt, die für alles verantwortlich ist und auch gegenüber den Angehörigen Auskunftsperson bildet. Heute bilde auch die Demenz einen integrierenden Bestandteil des Spitex-Auftrages, genau wie die Palliativ-Pflege (Basel-Stadt verfügt heute auch über ein mobiles Palliativ-Care-Team); festzustellen sei zudem ein wachsendes Bedürfnis nach Psychiatrie-Pflegeleistungen. Die hauswirtschaftlichen Leistungen würden in der Spitex Basel recht breit interpretiert, man mache eigentlich fast alles, vom Putzen und Waschen bis zum Einkaufen/Kochen/Essen.

Salome Müller von der Spitex Birseck schilderte den Ablauf ihres Einsatzes etwa nach einem Anruf aus dem Spital für einen Patienten, der tags darauf das Spital verlässt. Da gilt es, am nächsten Tag für einen ersten Besuch gerüstet zu sein und die "Erstaufnahme" aller Daten und Bedürfnisse durchzuführen. Die Daten gehen dann an den Arzt, der den Leistungsumfang festlegt, den die Kassen zu übernehmen haben. Aus ihren praktischen Erfahrungen erwähnte Salome Müller ("ich liebe meinen Beruf") den Wunsch einer wachsenden Zahl von Betagten, zu Hause sterben zu können. Mit der heutigen Spitex sei das in vielen Fällen auch möglich.

In der kurzen Zeit, die noch für die Diskussion zur Verfügung stand, wurde nicht zuletzt der bei Demenzkranken besonders problematische Zeitdruck angesprochen. Beide Spitex-Spitzen räumten ein, dass hier in der Tat noch starke Verbesserungen nötig sind.
MM

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