Monatsversammlung vom 3.Februar 2014

Der starke Besuch unserer Veranstaltung vom 5.Mai in der Grün 80 zeigte das Interesse an diesem leidigen Thema, das wir mit zwei Fachleuten der Polizei aufarbeiteten. Viele Besucherinnen und Besucher erklärten sich als persönlich betroffen: etwa 15 Hände erhoben sich auf die Frage, wer schon selber einmal einen Einbruch erlebt hat; andere sind schon beraubt worden oder haben mit falschen "Enkeln" Bekanntschaft gemacht.

Hanspeter Rudin, Präventionsbeauftragter der Polizei BL, begann mit dem neuesten, besonders schlimmen Überfall vom vergangenen Freitag in Giebenach, wo maskierte Räuber nachts ein Ehepaar fesselten und das Haus ausraubten. Dabei gibt es in Giebenach eine Bürgerwehr, seit Jahren, als Patrouille, die polizeilich instruiert ist. Trotzdem passierte es. Für die Polizei ist dieser Gewaltakt ein ganz schwerer Fall.

Sehr schnell und flexibel
Gebiete längs von grünen Grenzen sind stärker betroffen von Einbrüchen und Kriminaltourismus als etwa die Zentralschweiz, sagte Rudin. Die Täter sind heute äusserst schnell und flexibel. Früher trieb ein Dieb vielleicht ein halbes Jahr lang im Baselbiet sein Unwesen, heute kommen die Banden und verschwinden sofort wieder, um später eventuell wieder aufzutauchen. Mit 2300 Einbrüchen im Baselbiet 2013 sind die Zahlen zwar nicht höher als 1999! Rudin: "Aber das Vorgehen ist heute viel dreister und brutaler". Oft wird tagsüber eingebrochen, manchmal sogar wenn die Leute da sind und essen etc. Man schreckt vor nichts zurück. Und die Täter haben immer die Überraschung auf ihrer Seite. Die Polizei tut was sie kann. Bei ihrer Spurensuche stösst sie aber immer auf dasselbe Problem: die Täter sind längst wieder über alle Berge.
Die Kooperation zwischen den Polizeikorps sei sehr gut, betonte Rudin, dito mit der Grenzwache, aber die Personal-Ressourcen sind sehr beschränkt. Die Erfolgschance bei den Einbrüchen liege bei etwa 15-19 Prozent. Letztes Jahr wurde auch einmal Militär beigezogen, ausgebildete Soldaten, aber die Aktion kam in den Medien nicht überall gut an. "Für uns war das aber eine gute Sache."

Wie kann man sich schützen? Zuerst am Haus alles gut prüfen: Pilzköpfe ans Fenster, Türbeschläge nachrüsten, Gitterroste sichern. Licht mit Zeituhren kann schützen, auch wenn 50% der Einbrüche am Tag stattfinden. Gute Nachbarschaft pflegen, regelmässige Abwesenheiten mitteilen. Die Polizei kommt auch nach Hause und gibt Sicherheits-Tipps, kostenlos. Wunsch und Appell der Polizei: bitte aktiv mithelfen und 117/112 anrufen, denn oft kann man dank raschen Anrufen jemanden schnappen.

Entreissdiebstähle und Raub
Marco Liechti, Ressortchef Kriminalprävention der Kapo Basel-Stadt, äusserte sich zu den Themen gewaltsame Entreissdiebstähle und Raub. Für ältere Menschen sind Entreissdiebstähle wegen möglichen Stürzen besonders gefährlich. Dass Raubüberfälle in der Stadt viel häufiger vorkommen als auf der Landschaft, ist kaum überraschend. Der Raubtäter ist äusserst gewaltbereit, deshalb: "Geben Sie ihm immer was er will und lassen Sie ihn fliehen. Sich wehren ist gefährlich. Versuchen Sie keinesfalls den Helden zu spielen."

Wie kann man sich schützen oder einem Überfall vorbeugen? Hier Liechtis Ratschläge:

  • Persönliches Risikofeld: Angst ernstnehmen, das Bauchgefühl ist meistens richtig. Angst ist gut für den Selbstschutz. Sicheren Heimweg organisieren. Körperhaltung und Gangart sollen wenn immer möglich sicheres Auftreten ausstrahlen, dass wirkt abschreckend auf mögliche Täter. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, sehr empfehlenswert ist der Besuch eines Selbstverteidigungskurses z.B. bei der Pro Senectute, das kann sich sehr positiv auf die Körperhaltung auswirken. Weiter: Das Umfeld im Auge behalten, der Täter merkt das. Notfalls sich trauen, jemanden wegzuschubsen.
  • Materielles Risiko: "Nicht den halben Haushalt und das halbe Bankkonto mitführen." Nicht am Monatsende 3000 oder 4000 Franken in bar abheben und mit dem Büchlein zur Post wandern. Das Monatsende ist die beste Zeit für Räuber!
  • Umfeldrisiko: guten Heimweg wählen, lieber mit kleinem Umweg. Z.B unbeleuchteten Park meiden. Auch menschenleere Orte und unübersichtliche Plätze meiden, möglichst nicht allein gehen, gut beleuchtete Strecken benützen.


Und wenn es doch passiert und man mit der Waffe bedroht wird:
Wenn möglich Ruhe bewahren, "okay" sagen wenn der Täter das Portefeuille verlangt, Hände immer sichtbar halten, Hüfthöhe, Portemonnaie und Handy etc. aushändigen. Sagen wo es steckt. Und eben: Keine Gegenwehr! Sofort Polizei 117/112 anrufen, Täter beschreiben. Liechti: "Bei schneller Meldung sind die Erfolgschancen, den Täter zu fassen, gut."

Diskussion
Natürlich gab es nach den Ausführungen der beiden Referenten zahlreiche Fragen. Einige Beispiele:

  • Eine Trillerpfeife für Frauen hält die Polizei für etwas Gutes, in Basel wird man sie eventuell wieder abgeben.
  • für Einkäufe eventuell ein reines Einkaufsportemonnaie mit wenig Geld benützen. - Ausweise kopieren und z.B.in sichere Internet-Clouddienste stellen, auf die man auch im Ausland jederzeit Zugriff hat.
  • Pfefferspray: Nicht bei Raub, aber bei sexuellen und anderen Angriffen ein gutes Mittel. Man muss den Spray aber in der Hand parat haben, sonst nützt es nichts. Also etwa in dunklen Gassen. Dem Bauchgefühl folgen!
  • Ratschläge aus dem Publikum: Tasche verkehrt herum tragen, Schnüerli ans Portemonnaie anbringen.
  • Enkeltrick: wenn man es merkt, dann entweder den Anrufer in den Senkel stellen und auflegen, oder scheinbar darauf eingehen und Polizei beiziehen. Liechti: "Der Entscheid liegt bei Ihnen."
  • als Opfer: 117 anrufen, dann folgt die Vernetzung mit der Opferhilfe, die hilft bei allem was dann kommt, und zwar kostenlos.


Generell der Aufruf: Konkrete Beobachtungen immer sofort der Polizei melden. Liechti: "Wir sind auf Ihre Meldungen angewiesen."
MM