Diese Monatsveranstaltung war in jeder Beziehung aussergewöhnlich: Aufwand, Länge, Durchführung und Echo sprengten unsere üblichen Normen, und zwar im besten Sinn. Gut 150 Interessierte drängten sich in den für einmal erweiterten Saal in der Grün 80. Fünf Referentinnen und Referenten gaben wertvolle Informationen und Impulse, ein abschliessendes Podium vermittelte Antworten auf Publikumsfragen. Zweieinhalb Stunden Informationen und Anregungen, professionell moderiert von Radio-Journalistin Cornelia Cazis, die den Zeitplan der Veranstaltung genau einzuhalten vermochte. Grussworte der beiden Kantone überbrachten die Verantwortlichen der Alterspolitik der Kantonsverwaltungen.

Wunsch und Machbarkeit

Am Anfang stand unsere vor einiger Zeit gegründete Arbeitsgruppe Wohnen im Alter, die auch diese Veranstaltung mit viel Engagement organisiert hat. Es geht darum, Wege aufzuzeigen für die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema. GP-Mitglied Gertrud Stiehle fasste die Umfrage in unseren Reihen zusammen: Gewünscht wird nicht zuletzt eine Informationsplattform zum Thema oder noch besser ein Kompetenzzentrum für Altersfragen. Reaktionen aus dem Publikum zeigten, dass die Informationsbedürfnisse in der Tat gross sind. Auch bestehen Erwartungen an die Grauen Panther, sich für bezahlbaren und zentrumsnahen Wohnraum einzusetzen. „Aber das Spektrum zwischen Wünschbarem und Möglichem ist gross“, sagte Gertrud Stiehle.

Stadtentwickler Thomas Kessler bezeichnete die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ebenfalls als grosse Herausforderung. Viele Ältere zögern, ihr gewohnte Bleibe zu verlassen, weil eine – selbst viel kleinere – Neubauwohnung immer teurer zu stehen kommt. Angesichts der hohen Preise seien alternative Wohnformen zu suchen und zu fördern, sagte Kessler, etwa generationenübergreifendes Wohnen, neue WG-Mischformen („Cluster-Wohnungen“) etc; ebenso will Basel künftig den gemeinnützigen genossenschaftlichen Wohnungsbau fördern, wie das kürzlich angenommene neue Gesetz zum Thema es verlangt.

Rechtzeitig aktiv werden

Aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen riet Brigitte Giesinger vom Verein Beletage dazu, rechtzeitig selber aktiv zu werden im Hinblick auf selbständiges Wohnen im Alter – ein Rat, der im Verlauf der Veranstaltung mehrfach wiederholt wurde. „Versuchen Sie zu definieren, was für Sie wirklich wichtig ist, und denken Sie daran, dass auch Ihre Bedürfnisse sich ändern können.“ Also: mit Freunden und Bekannten reden, Wohnungen anschauen etc. Beletage hat zu diesem Zweck zum Beispiel eine „Checkliste Wohnvision“ erarbeitet. (www.verein-beletage.ch)

In eine ähnliche Kerbe hieb Andreas Herbster von der Wohnstadt Basel, der seine Ausführungen mit einem Wort von Karl Kraus schloss: „Wer selbständig älter werden will, muss rechtzeitig damit anfangen“. Herbster stellte eine ganze Reihe erfolgreicher genossenschaftlicher Alterswohnprojekte in der Region vor. In der Stadt hingegen sei die Frage nach dem selbständigen Wohnen im Alter noch nicht recht angekommen, kritisiert er, hofft aber auf baldige Besserung. Aufräumen musste er mit dem verbreiteten Klischee, wonach Genossenschaften generell günstiger bauen können: Das ist meistens nicht der Fall (www.wohnstadt.ch).

Ausdauer gefragt

GP-Mitglied Gerhard Schaffner schilderte die schon seit 8 (!) Jahren dauernde Geschichte eines genossenschaftlichen Alterswohnungsprojekts in Reinach (www.wbg-rynach.ch): Gründung der Genossenschaft, Befragung zu den Bedürfnissen, anderthalbjährige Baulandsuche, harte Verhandlungen mit der Gemeinde, am Schluss der Quartierplan.... Obwohl das Projekt derzeit durch Einsprachen blockiert ist, bleibt Schaffner optimistisch, dass die 40 Alterswohnungen spätesten 2018 übergeben werden können.

Dass es manchmal auch schneller geht, erläuterte Andreas Herbster im abschliessenden Podium: In Bottmingen etwa vergingen von der Gründung einer Genossenschaft bis zur Übergabe der fertigen Wohnungen nur dreieinhalb Jahre!

Am 19.Mai 2015 halten die GP eine ganztägige Tagung zum Thema Wohnen im Alter ab. Alle sind eingeladen, mitzumachen! MM

  • IMG_1514
  • IMG_1515
  • IMG_1522

Fotos: H.P. Meier