mit Frau Dr. Regine Dubler

"Sorge in der Zeit, so hast du in der Not": Was bringt die neue Patientenverfügung?
Monatsversammlung vom 7.Januar

Einen wahren Grossandrang bewirkte unsere erste Monatsversammlung im neuen Jahr mit dem aktuellen Thema "Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung", Folgen des neuen Erwachsenenschutzrechts, das am 1.Januar in Kraft getreten ist. Rund 140 Interessierte drängten sich am 7.Januar im Saal des QuBa zum Vortrag von Regine Dubler, Leiterin von dandelion, Pflegezentrum für demenzkranke Menschen Basel.

Die Gesetzesrevision ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass wir immer älter werden, immer bewusster und selbstbestimmter leben und die Medizin laufend Fortschritte macht. Das führt, wie Regine Dubler einleitend sagte, zu neuen Fragestellungen etwa in Sachen Palliative Medizin, Sterbehilfe, chronische Krankheiten. Gemäss dem Sprichwort "Sorge in der Zeit, so hast du in der Not" sollten Vorsorgeauftrag und Patientenverfügung rechtzeitig genutzt werden: Frühzeitiges Nachdenken über den eignen Tod macht gelassener. Die neuen Instrumente erleichtern es uns, autonom, also selbstbestimmt, über diese letzten Fragen zu entscheiden. Die Verfügung nimmt somit Entscheidungen im Fall von Autonomieverlust vorweg.

Der Vorsorgeauftrag einerseits bildet einen allgemeinen Auftrag an eine Person, die im Falle von Urteilsunfähigkeit die Interessen wahrt: Das kann alle möglichen Bereiche betreffen, etwa Geldfragen. Demgegenüber beschränkt sich die Patientenverfügung ganz auf den Gesundheitsbereich: Welcher medizinischen Behandlung stimme ich im Falle meiner Urteilsunfähigkeit zu und welcher nicht? Eine sorgfältig zu wählende Vertrauensperson bespricht diese dann mit dem Arzt und entscheidet in meinem Namen. Die Verfügung muss schriftlich auf einem Formular festgehalten und unterschrieben werden, sie wird auf der Versichertenkartenkarte der Krankenkasse eingetragen und hinterlegt, sei es zu Hause oder beim Zivilstandsamt (oder im Internet).  Die Patienverfügung bildet den Angelpunkt zur Beantwortung der Frage: Wie hätte die urteilsunfähige Person selber entschieden? Was der Jurist  als "mutmasslichen Willen" bezeichnet, wird durch die Verfügung möglichst genau bezeichnet. Die Referentin mahnte, die Verfügung rechtzeitig vor dem Antritt einer grösseren Therapie ebenso wie vor dem Spital- oder Heimeintritt zu erlassen. Empfohlen ist eine Überprüfung der Verfügung nach 2 oder spätestens 5 Jahren, nicht zuletzt deshalb, weil die medizinische Entwicklung fortschreitet.

Schon heute gibt es eine Vielzahl von Beispielen für Patientverfügungen (Kanton, Exit, Rotes Kreuz u.a.) Die Referentin erläuterte die Fragestellungen anhand des baselstädtischen Beispiels (www.basler-patientenverfuegung.ch). Hier hat man zuallererst über die Frage nachzudenken: Wie sehe ich mein eigenes Leben und Sterben? Welche medizinischen Massnahmen in welchen Situationen sind zu ergreifen bzw. zu unterlassen? Generell gelte, dass man eine Patientenverfügung nie alleinim stillen Kämmerlein ausdenken sollte, sondern mit jemanden darüber sprechen und sich beraten lassen sollte, sei es vom Hausarzt, Exit oder anderen.

Eine lebhafte Fragerunde nach dem Referat zeugte vom grossen Informationsbedürfnis bei diesem Thema. Wir werden so bald wie möglich ein Dossier mit allen Unterlagen und Links zum Thema auf unsere Homepage aufschalten. MM

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Foto H.P. Meier