Soziologe Ueli Mäder sprach an der Monatsversammlung über sein neuestes Buch

Er ist nicht nur ein im In- und Ausland bekannter Soziologie-Professor der Uni Basel, sondern war seinerzeit auch Gründungsmitglied der Grauen Panther: Ueli Mäder zeigte an unserer gutbesuchten (nicht gutbetuchten....) Monatsversammlung von heute Montag 2.Mai Einblicke in sein neuestes Werk, das für einmal nicht der Armut und der Bedürftigkeit gewidmet ist, sondern dem Reichtum. Mäder hat mit 100 Reichen und Superreichen ausführliche Gespräche geführt. Daraus entstand sein Buch „Wie Reiche denken und lenken“*.

Zuerst untermauerte Mäder in frei vorgetragener Rede mit Zahlen die immer weiter auseinanderklaffende Schere bei den Vermögen: Laut neuesten Zahlen des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes besitzen heute 2% der Bevölkerung 98% aller Vermögenswerte. 1989 besassen die 300 reichsten Schweizer gemäss „Bilanz“ insgesamt etwa 86 Milliarden Franken; heute ist diese Summe trotz Finanzkrise auf 470 Mrd. gewachsen -- das sind etwa drei Viertel des gesamten schweizerischen Brutto-sozialproduktes. Bei den Löhnen ist die Kluft nicht derart krass, aber die Schere öffnet sich ebenfalls immer mehr, auch nach unten: Eine neue Studie der Credit Suisse zeigt, dass die frei verfügbaren Einkommen (nach Steuern, Mieten etc.) bei den untersten Lohnklassen real deutlich abgenommen haben in den letzten Jahren.

Im weiteren widerlegte Mäder mehrere Märchen wie jenes, wonach die Sozialausgaben stetig steigen. In Wirklichkeit nimmt der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandprodukt seit etwa 2005 ab, da das BIP schneller steigt. Auch unterstrich er die volkswirtschaftlich wichtige Funktion unserer Renten: Sie generieren Nachfrage und wirken stabilisierend auf die Wirtschaft.

In seinen Gesprächen mit Superreichen hat Mäder nebst viel Unangenehmem und Arrogantem auch bei etlichen auch Angst vor dieser Schere gespürt und den Wunsch gehört, mindestens wieder das frühere liberale Gleichgewicht von Arbeit und Kapital wieder herzustellen (aber natürlich nur freiwillig). Er erwähnte das Beispiel eines Unternehmers, der mit 70 anfing Tixi zu fahren (Taxifahrten für Behinderte) und seither das Leben mit anderen Augen betrachte.

In diesem Sinne sieht Mäder nebst den Forderungen nach sozialer Umverteilung (etwa durch progressive Vermögenssteuern und eine neue Erbschaftssteuer) auch die Notwendigeit, „tiefer nach dem Sinn des Lebens zu fragen und danach, was wirklich wichtig ist“. Besondere Sorge bereitet Mäder auch die politische Tendenz, dass Unterprivilegierte zunehmend häufig beim Autoritären Zuflucht suchen, statt sich zu wehren.

„Ueli, wir wünschen Dir ein möglichst langes Leben“, sagte Angeline Fankhauser danach unter dem Applaus der Anwesenden: „Du sprichst uns aus dem Herzen“.

MM

* Ueli Mäder: Wie Reiche denken und lenken. Rotpunktverlag, 2010. 448 Seiten, Fr.38.- IN jeder Buchhandlung