Sterbehilfe gesetzlich einschränken? So nicht

Die Monatversammlung vom 1.Februar zum schwierigen Thema Sterbehilfe hat starkes Echo gefunden: Im vollen Saal des Quartierzentrums Bachletten mussten zusätzliche Stühle organisiert werden, um allen einen Sitzplatz zu bieten. Im Zentrum standen die beiden bundesrätlichen Vorschläge für eine gesetztliche Einschränkung der Freitod-Begleitung.

Auf dem Podium kreuzten Bernardo Stadelmann, Vizedirektor des Bundesamtes für Justiz und Haupt-Verfasser der bundesrätlichen Vorschläge, und Freitodbegleiter Walter Fesenbeckh von der Sterbehilfeorganisation EXIT die Klingen. Gegenüber der heutigen liberalen Regelung will der Bundesrat in der einen Variante die organisierte Sterbehilfe nur noch zulassen, wenn der oder die Sterbewillige unheilbar krank ist und kurz vor dem Tode steht. Personen ohne eine solche Diagnose könnten Organisationen wie Exit oder Dignitas nicht mehr beiziehen. In der zweiten Vernehmlassungs-Variante würde die organisierte Sterbehilfe überhaupt verboten, so wie es etwa in Deutschland, Frankreich, Spanien oder Portugal der Fall ist. Der Bundesrat, so Stadelmann zur ersten Variante, "will vor dem Suizid eines Sterbewilligen erst alle anderen Alternativen ausschöpfen und den begleiteten Freitod eben gerade nicht als valable Alternative bezeichnen".
Fesenbeck wandte sich entschieden gegen die Vorschläge und schilderte einen kaum mehr lebensfähigen Mann, der täglich in seinen eigenen Exkrementen erwacht und dies als zutiefst unwürdig erlebt. Nach allen vorgeschriebenen Vorstufen entschied er sich dafür, mit Hilfe von EXIT den Weg zu gehen. Fesenbeckh: "So jemandem müssten wir gemäss Bundesratsentwurf sagen: Lieber Albert, du muss halt warten, bis der Tod an dich herantritt." Exit lehnte deshalb die Vorschläge kategorisch ab und bezeichnet das Gesetz als entmündigend und entwürdigend. Pfarrer Jürg Merz, Spitalseelsorger am Unispital Basel, hat Erfahrung mit EXIT kann an deren Praxis nichts moralisch Verwerfliches entdecken, macht aber klar, dass die Ethikkommission des Unispitals Exit nicht im Spital zulässt. Und er mahnt, dass der Mangel an Palliativ-Pflegepersonal keinesfalls die Forderung nach begleitetem Freitod begründen darf: "Das wäre eine Bankrotterklärung für unsere Gesellschaft".

Die Verteilung des Applauses und die engagierten Voten aus dem Publikum zeigten, dass die Pantherinnen und Panther der vorgeschlagenen Einschränkung gegenüber mehrheitlich kritisch eingestellt sind.

Martin Matter