Ruth Gonseth leistet in Nepal wertvolle medizinische Hilfe

Monatsversammlung vom 1.Februar

5 bis 8 Monate im Jahr arbeitet sie dort, und das seit 9 Jahren. An unserer gutbesuchten Monatsversammlung berichtete die Liestaler Ärztin Ruth Gonseth, Mitglied der Grauen Panther, in eindrücklicher Weise über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen in Nepal. Das Land ist uns vor allem in Erinnerung wegen des fürchterlichen Erdbebens im letzten Jahr, welches das ohnehin sehr arme Land wieder weit zurückgeworfen hat und vor allem die Ärmsten auf dem Lande am härtesten traf. Der Wiederaufbau kommt noch kaum voran. Der Tourismus, zweitwichtigste Einnahmequelle des Landes, ist am Boden.

Nepal: Etwa dreimal grösser als die Schweiz, rund 28 Millionen Einwohner,seit 2008 Demokratie statt Königreich nach blutigem Bürgerkrieg. Eine gültige Verfassung gibt es erst seit 2015. Aber politische Kämpfe, Korruption und die Grenzblockade im Süden durch die Inder, die fast alle Einfuhren verhindern, erschweren alles. „Es fehlt an allem und jedem“, sagt Ruth Gonseth, „und das Erdbeben hat alles noch verschlimmert.“ Ruth Gonseth war auch zur Zeit des Erdbebens dort war dort und half medizinische Zelte aufzubauen und Lebensmittel zu bringen, doch viele Dörfer sind nur schwierig zu erreichen. Es geht dabei nicht nur um Überlebenshilfe an Erdbebenopfer, sondern auch um medizinische Grundversorgung, an der es überall auf dem Lande krass mangelt: So zog eine Assistentin von Ruth an einem einzigen Nachmittag 120 Zähne.

Ärztliche Hilfe mit Solarstrom
Ihr aktueller Arbeitsort liegt in einer regionalen Poliklinik ganz im Süden, die sie mit aufgebaut hat, die aber vorerst aus Geldmangel nicht starten konnte, sodass der Staat sie übernahm. Das sei aber schwierig gewesen, sagt Ruth Gonseth, da die staatlichen Angestellten nur das Minimum arbeiten... Aber sie liess sich nicht abschrecken, und es klappte schliesslich. Das Spital war in betrüblichem Zustand, als Ruth dort eintraf. Sie sagte als Ärztin zu, aber mit Bedingungen: zwei grosse schöne Untersuchungs- und Behandlungszimmer. Das wurde gemacht, und zwar vorwiegend mit Möbeln aus der Schweiz. Jetzt arbeitet sie dort als Dermatologin, ein wichtiges Gebiet, da viele Menschen in Nepal an Hautaids leiden. Zusätzlich zur Arbeit im Spital untersuchte Ruth zum Beispiel Soldaten eines nahegelegenen Zentrums. Gegenleistung des Militärs: Sozialeinsatz in der Nähe des Spitals: Etwa 40 Soldaten kamen und leisteten fast zwei Wochen lang viele nützliche Arbeiten, doch dann mussten sie ab ins Erdbebengebiet. Aus den Arbeiten entstand unter anderem eine Dialysestation mit Labor, als Aussenstation des grossen Spitals im 150 km entfernten Katmandu. „Das war eine ganz tolle Erfahrung.“ Da es nur ein paar Stunden Strom gibt im Tag, organisierte Ruth zudem mit Hilfe von Schweizer Spezialisten und nicht ohne Probleme mit den nepalesischen Vertretern eine grosse Solaranlage mit 21 kW Leistung, die 24 Stunden im Tag Strom für das Spital. Das war natürlich ein markanter Fortschritt. „Wir sind die einzige Dialysestation in Asien, die komplett mit Solarstrom arbeitet“; sagt Ruth Gonseth nicht ohne Stolz.

Das Spital, das der Bevölkerung im abgelegenen ländlichen Gebiet im Süden allgemeinmedizinische Betreuung anbietet, wuchs stark in den letzten zwei Jahren, und jetzt gibt es grosse Ausbaupläne. „Das ist aber vorerst ein Traum, da die Finanzierung völlig unklar ist,“ bedauert Ruth Gonseth. Immerhin ist jetzt ein Operationssaal im Bau und wird zuerst eine Kinderchirurgie-Station beherbergen.

„Schlimme Sachen“
„Ich erschrecke immer wieder, welch schlimme Sachen ich zu sehen bekomme“, sagt die erfahrene Ärztin und zeigt etwa das Bild eines Knaben, der an einer seltenen Fischschuppenkrankheit leidet. Immer wieder gebe es auch Fälle von Lepra. Die Uno-Medikamente sind zwar gratis, kommen aber oft zu spät. Anderes Beispiel, das Ruth kennt und berührt: 5 von 7 Mitglieder einer Familie haben Sonnenlicht-Allergie (sog.Mondkinder). Zum täglichen Brot der Dermatologin gehören: Hauptpilze, Hautinfektionen. Oft fehle es nicht zuletzt an frischem Wasser und an geeigneter Aufklärung.
Ruth Gonseth ist auch an anderen Fronten aktiv. Ganz im Südwesten, nahe der indischen Grenze, gab es bis 2005 noch Leibeigene. Nach Reform und Schuldenerlass kam zwar das Versprechen auf ein eigenes Stücklein Land für jeden, aber dank bürokratischer Hindernisse und Korruption dauert das Jahre. Ruth sah sich in der Gegend um und lernte eine Frauengruppe kennen, die in einem Dorf mit 200 Strohhütten und nur einem Brunnen leben. Ruth konnte in Kooperation mit lokalen Leuten weitere Brunnen finanzieren, später ein massiv gebautes Versammlungslokal mit Küche und Solaranlage, dazu kam dann auch eine kleine individuelle Solaranlage für jede Hütte. Ruth sagt zu den Fotos: „Das sieht alles sehr idyllisch aus, das Leben ist aber sehr hart“. Die Bewohner richteten ihr und ihren einheimischen Partnern ein grosses Fest aus, als die Solaranlagen kamen.

Hier noch einige weitere Aussagen von Ruth aus der Fragerunde:
- Viele Jüngere können Englisch, die Älteren nur nepalesisch. Ruth kann sich aber inzwischen mit Patienten ohne Übersetzer verständigen.
- Entwicklung eigener Aktivitäten: Die Menschen sind sehr gelehrig und arbeitsam. Es gibt durchaus gute Kooperationen, zum Beispiel das Projekt einer Ambulanzstation, realisiert zusammen mit der lokalen Handelskammer.
- Ruth Gonseth selber lebt mit Volontären zusammen in einfacher Behausung. Viele gute Gemüse und Früchte gebe es in Nepal: „Ich lebe gut.“
- Alte Menschen: Altersvorsorge gibt es nur für Staatsangestellte. Die anderen leben in Grossfamilien und unterstützen einander. Wer aber keine Familie hat, ist sehr arm dran. Die dünne staatliche Rente kommt oft gar nicht an (Korruption). Die allgemeine Lebenserwartung liegt bei 61-64 Jahren, die Kindersterblichkeit ist hoch.
- Hilfsgüter: aus China im Norden kommt im Winter wegen den hohen Bergen (Everest!) gar nichts, und von Indien im Süden gelangt wegen der Sperre nur wenig herein. „Einer unserer Container war zwei Monate lang in Indien blockiert., bis wir ihn mit Hilfe von bestimmten Leuten loskriegten“. Es fehlt an allem, vorab an Lebensmitteln, Gas und Benzin, „aber die Leute nehmen es mit bewunderswerter Gelassenheit. Sie sind gewohnt, wenig zu haben“.
- das staatliche Schulwesen miserabel, also schicken alle, die es sich leisten können, ihre Kinder auf eine Privatschule. Eine Mittelschicht entsteht allmählich.

Am Tag nach ihrem Besuch bei uns fliegt Ruth wieder nach Nepal. Unser Sammel-Körbchen war gut gefüllt am Ende der Veranstaltung: das Geld geht alles an den Unterstützungsverein „Shanti Med Nepal“, den Ruth Gonseth präsidiert.
Website: shanti-med-nepal.ch.


Martin Matter

 

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Fotos: Ruth Gonseth