Frieden ist die beste Flüchtlingshilfe

Monatsversammlung vom 2. November 2015

„Die Angst vor dem Fremden – Menschen auf der Flucht nach Europa“. Damit hatten die Grauen Panther Nordwestschweiz an ihrer Monatsversammlung vom 2. November ein Thema aufgegriffen, das unter die Haut geht. Es war eine ungewöhnliche Situation, weil Co-Präsident Remo Gysin zuerst die Diskussion laufen lassen musste und danach erst das Referat. Grund: Georg Kreis, der viel beschäftigte emeritierte Basler Geschichtsprofessor hat in seinem Unruhestand derart viele Termine, dass ihm die Veranstaltung der Grauen Panther durch die Latte ging. Erst mit grosser Verspätung traf er am Tagungsort in der Grün 80 ein.

Doch die Konfusion hatte auch ihr Gutes. Unbelastet konnten sich die zahlreich erschienenen Pantherinnen und Panther frisch von der Leber weg zu ihrer Gefühlslage äussern. Dabei wurde klar, dass die Angst der Menschen beim Thema „Flüchtlinge“ sehr vielfältig ist. Es gab Ängste wegen der grossen Zahl der Flüchtlinge. „Wird dadurch mein Lebensraum eingeengt, ist meine privilegierte Stellung gefährdet,“ fragte ein Votant. Sie könne beim Islam „nichts positives finden“, warf eine Diskussionsteilnehmerin ein. Ihr Tischnachbar meinte, dass man den Syrern aus den Kriegsgebieten Schutz gewähren müsse. Das Problem aber seien die Millionen von Afrikaner, die in ihren Ländern keine Perspektive haben und daher nach Europa drängen. Zwei Votantinnen konterten: Während Jahrhunderten sei Afrika von Sklavenhändlern ausgeblutet worden. In den letzten zweihundert Jahren hätten die europäischen Kolonialmächte zudem die Bodenschätze Afrikas geplündert. Und zu Syrien wurde erklärt, dass hier die Grossmächte auf dem Buckel der Menschen ihre Stellvertreterkriege führen. Es brauche wieder eine starke Friedensbewegung. „Frieden ist die beste Flüchtlingshilfe“, wurde aus einem Flugblatt zitiert. Eine Votantin äusserte sogar die Angst, dass ein Dritter Weltkrieg im Anzug sei. Die UNO, eigentlich eine Friedensorganisation, habe völlig versagt, kritisierte Diskussionsleiter Gysin bei der Zusammenfassung der engagierten Debatte.

Der inzwischen eingetroffene Referent relativierte Gysins Aussage zur UNO. Sie treffe „aus strukturellen Gründen“ für den Sicherheitsrat zu, in welchem die Grossmächte mit ihrem Vetorecht das Sagen haben. In anderen Teilen der UNO werde jedoch gute Arbeit geleistet, betonte Heinz Kreis: „Doch darüber berichten die Medien nicht.“

Angst sei problematisch, warnte Kreis in seinem kurzen Referat. Er habe zwar Verständnis, dass Menschen in der aktuellen Situation Angstgefühle haben. Angst sei etwas rein Emotionales. Darum zieht Kreis den Begriff „Furcht“ vor. Dieser umfasst das Bewusstsein. Angst habe auch viel mit Besitzstand zu tun. Wer viel besitze, werde von mehr Ängsten befallen als jener, der es gewohnt sei, in prekären Situationen zu leben. Man müsse die Probleme ernst nehmen, ihnen aber mit Gelassenheit begegnen, so der Referent.

Es gebe die Tendenz, das Negative beim Fremden zu verallgemeinern, gutes Fremdes aber zu übersehen. Kreis lobte die Grauen Panther. Es sei positiv, dass sie die Angst vor dem Fremden aufgreifen und zusammen diskutieren.  Er rief die Grauen Panther zum gemeinsamem Handeln auf. Diskussionsleiter Remo Gysin versprach, dass die Grauen Panther am Ball bleiben und das Thema weiter verfolgen werden.

Martin Brodbeck
 

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Text: Martin Brodbeck, Fotos: H.P. Meier