Monatsversammlung vom 7. September 2015

„Ich kann mihgtfr mein Altwerden nicht vorstellen“

„Dialog zwischen den Generationen“. Unter diesem Titel luden die Grauen Panther Nordwestschweiz zu ihrer ersten Monatsversammlung nach der Sommerpause ein. Unter der Gesprächleitung von Co-Präsident Hanspeter Meier diskutierten dabei Vertreter der Generation Y mit Grauen Pantherinnen. Wie wichtig dieser Dialog ist, machte bereits die Bemerkung der über 80jährigen Verena Burki (Apothekerin und ehemalige EVP-Landrätin) deutlich, die einräumte, den Begriff „Generation Y“ nicht zu kennen. Meier klärte auf. Generation Y heisse englisch ausgesprochen „generation why“. Es sei die Generation nach dem Zweiten Weltkrieg (geboren etwa von 1971 bis 1997), deren Leben von existenziellen Unsicherheiten (Berufsleben, Sozialsysteme ect.) geprägt sei.

In einer ersten Gesprächsrunde schilderten die vier Teilnehmenden des Podiums ihre höchst unterschiedliche Sozialisierung. Verena Burki war ein 6jähriges Mädchen, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Dieser habe ihre Jugend geprägt. „Wir waren dankbar, dass wir vom Krieg verschont blieben.“ Auch als 15jährige habe sie sich nicht vorstellen können, je die Schweiz verlassen zu können. Ihre erste Reise führte sie „mit strengen Grenzkontrollen“ zu Verwandten nach München. Ganz anders der 23jährige Adil Koller (Student Sozialogie und Wirtschaft, Co-Präsident der SP Baselland). Er kam von einem dreitägigen Städtetrip nach Berlin aufs Podium. Seine Generation sei nicht die „Generation Y“, sondern die Generation „Easy Jet“. „Meiner Generation steht die Welt offen – alles geht bei uns schnell.“ Seine Generation sei wohl die egoistischste Generation, meinte er provokativ. Das wirtschaftliche Umfeld führe zu einer Ellenbogen-Gesellschaft. Jeder wolle möglichst schnell aufsteigen.

Elisabeth Nussbaumer  (Berufsbildungsfachfrau und ehemalige SP-Landrätin) konnte als Vertreterin der Generation 70+ von ganz anderen Erfahrungen berichten. Den Baby-Boomern der Nachkriegszeit sei „alles offen gestanden“. Da sei solidarisches Handeln leichter gewesen als für die heutigen Jungen. Man habe vieles Erreichen können, war heute wieder gefährdet sei.

Wie sehen die heutigen Jungen ihr eigenes Alter? Wie möchten sie alt werden? Die 20jährige Sophie Eglin (Schauspielerin am Theater Basel, freie Mitarbeiterin bei der BaZ Kultur) gab eine ehrliche Antwort: „Ich kann mir mein Altwerden nicht vorstellen“. Sie habe das Gefühl, dass sie so bleiben werde wie jetzt. Adil Koller orientiert sich an seiner Grossmutter. Er möchte so gelassen und weise wie sie alt werden. Auch für Sophie Eglin war die Grossmutter prägend. Als Mädchen habe sie gesagt, „meine Grossmutter kann alles“.

In der Diskussion mit dem Publikum stiess Adil Kollers Votum von der egoistischsten Generation auf Widerspruch. Verschiedene Votantinnen betonten, dass ihnen zahlreiche Junge im Tram ihren Sitz anbieten. Darum gehe es doch nicht, wandte Elisabeth Nussbaumer ein. Und Angeline Fankhauser wurde konkret: „Wir müssen den Jungen klar machen, dass wir nicht einfach nur Kostenfaktoren sind.“ Den bürgerlichen Sozialabbau-Tendenzen müsse entgegengetreten werden. Es sei Aufgabe der Älteren, den Jungen das Umlageverfahren im Sozialversicherungswesen zu erklären. So wie die Jungen heute für die Aelteren zahlen, „haben wir früher für die vorausgegangene Generation bezahlt.“ Mindestens beim SP-Politiker Adil Koller stiess sie damit auf offene Ohren. Er räumte allerdings ein, dass es schwierig sei, die Jungen überhaupt an die Urne zu bringen.

Gefragt, was die jüngere Generation von der älteren erwarte, sagten sowohl Sophie Eglin wie Adil Koller: „Respekt“. Man müsse den Jungen Vertrauen schenken. Mit seiner Bemerkung über die „egoistischste Generation“ habe er provozieren wollen, räumte Koller ein. Es gebe viele positive Impulse, die von Jungen ausgehen. Aus Warte der älteren Generation meinte Elisabeth Nussbaumer, dass es manchmal schwer falle, die Jungen machen zu lassen. Es sei jedoch wichtig, dass sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln.

Moderator Meiers Frage, ob sich das Leben immer wieder in den Generationen wiederholt, beantwortete Sophie Eglin mit einem entschiedenen Nein. Es gebe keine Wiederholung. Es gebe Grundelemente wie Aengste, Geborgenheit, Liebe ect. Doch der Umgang mit ihnen sei immer wieder neu. Eine Dame im Publikum zeigte dies an einem schönen Beispiel auf: Der Umgang zwischen den Geschlechtern habe sich aus ihrer Sicht zum Positiven gewendet: „Wenn ich sehe, welchen Umgang meine Kinder und Enkelkinder pflegen, dann stimmt mich das froh.“

An Eva Burki war es dann, doch noch auf die Gräben zwischen den Generationen hinzuweisen: „Ich spüre Grenzen in der Sprache, in der EDV und in der Schnelligkeit des Sprechens“. So habe sie bisher („obwohl ich englisch kann“) nicht gewusst, was „megacool und chillen“ bedeute. Was die beiden Jungen auf dem Podium zur humorvollen Bemerkung verleitete, dieser Anlass der Grauen Panther sei „megacool“ und „chillig“ gewesen. Worauf Moderator Meier die Verstaltung mit einem Augenzwinkern schliessen konnte: „Man darf nach unseren Statuten bereits ab 18 Jahren Mitglied der Grauen Panther werden.“
 

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Fotos und Text: Martin Brodbeck

 

Bericht BZBasel vom 8.9.2015