Monatsversammlung vom 1.Juni

Palliative Care widmet sich Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden

Unsere Monatsversammlung vom 1.Juni war einem Thema gewidmet, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, aber wohl noch keineswegs die erforderliche Aufmerksamkeit geniesst. Deshalb haben wir zwei kompetente Referentinnen gebeten, uns vom aktuellen Stand der Palliative Care in der Region und die bestehenden Angebote zu berichten.

Lindern, nicht heilen
Palliative Care „ist keine Methode, sondern eine Art Haltung“, erläuterte Frau Dr. med. Eva Balmer, Oberärztin Palliative Care im Claraspital Basel, einleitend.   Nicht die Krankheiten stehen im Zentrum, sondern die Beschwerden der Patienten -- Schmerzen, Uebelkeit, Atemnot, Angst, Unruhe --  und ihre  Wünsche. Es geht mithin um möglichst viel Lebensqualität. „Wir klären Bedürfnisse, (körperliche, psychische, soziale, spirituelle). Wir helfen Patienten und Angehörigen bei der Entscheidfindung und bei der vorausschaubaren Planung.“

Der grösste Teil der Palliative Care, nämlich etwa 80%,  geschieht zu Hause, im Heim oder auf den Aktustationen im Spital. Das ist die sog. Allgemeine Palliative Care (PC) Gefragt sind somit Haus-  und Spitalärzte, Pflegende im Spital oder Heim, die Spitex Rest Der kleinere Teil, die spezialisierte PC, betrifft Onko-Spitex, Spitäler und Palliativzentren. Derzeit gibt es in der Region neben den speziellen Abteilungen in Spitälern das Zentrum Hildegard in Basel und das Hospiz im Park in Arlesheim. Mit verschiedenen Beispielen zeigte die Referentin auf einfühlsame Weise unterschiedliche Situationen und Bedürfnisse. Vielleicht geht es im einen Fall um eine schwere Herz-Insuffizienz, bei anderen Patienten um Metastasen. Bei Krebs arbeitet man im Spital nicht selten mit Bestrahlung und Chemotherapie, nicht um zu heilen, sondern um die Schmerzen zu lindern. Wichtig sei immer das offene Gespräch mit den Patienten/Patientinnen und den Angehörigen, um darzulegen, welche Wünsche da sind und welche Wege möglich sind.
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fordert in seiner nationalen Strategie Palliative Care jeden Kanton auf, in den Spitälern entsprechende Abteilungen einzurichten, antwortete Eva Balmer auf eine entsprechende Frage. Im Curriculum der Medizinstudenten hat die PC heute auch ihren gebührenden Platz, und für Aerzte wird es bald einen Fähigkeitsausweis Palliative Care geben. Jeder Facharzt muss im übrigen auch gewisse Elemente von PC lernen.

Forderungen an den Kanton BL
Juliana Nufer, Treuhänderin, Geschäftsleiterin des Netzwerks palliative bs+bl und Präsidentin der Spitex Baselland, hat einen anderen Ansatz: „Wir suchen das gesellschaftliche Verständnis für Palliative Care zu fördern, vor allem mit Information und Beratung“. Die Baselbieter Alters- und Pflegeheime, das Netzwerk palliative bs+bl und der Spitexverband BL forderten 2012 vom Kanton in einem Manifest für alle EinwohnerInnen eine bestmögliche Lebensqualität bei unheilbarer, fortscheitender Krankheit, das Recht auf Palliative Care und Zugang zu den benötigten PC-Leistungen, funktionierende Netzwerke und ein  entsprechendes Finanzierungssystem. Ergebnis: Es wurde ein Runder Tisch einberufen, der eine Erhebung beschloss über alles, was bereits vorhanden ist. Nufer:  Seither warten wir“. Derzeit wird kantonale das Gesetz über Betreuung und Pflege revidiert, dort sollen diese Anliegen nun eingebracht werden. Von sich aus handeln will das Kantonsspital BL, das folgende Projekte hat: PC Ambulatorium, PC Station, PC Care Konsiliardienst für Fachpersonen. Es sei aber noch offen, welche Projekte der Verwaltungsrat bewilligen wird.

Wer zahlt?
In der Fragerunde der von GL-Mitglied Barbara Fischer moderierten Veranstaltung wurde vor allem die Finanzierung angesprochen. Wer bezahlt effektiv Palliativ Care in den Spitälern, und wie lange?  Basel-Stadt kennt Tagespauschalen in den PC-Stationen, erläuterte Eva Balmer. Eine Begrenzung gebe es weniger in zeitlicher Hinsicht als vielmehr beim Bedarf: Braucht jemand die spezielle Behandlung? Wenn ja, dann zahlen die Kassen. Schwierig könne es werden mit der Finanzierung  durch die  Kassen,  wenn zum Beispiel jemand in einer PC-Struktur ist und die spezielle Behandlung nicht wirklich braucht, aber aus gewissen Gründen schlecht nach Hause kann.     MM

Internet:
www.palliative.ch
www.bag.admin.ch/palliativecare
www.palliative-bs-bl-ch.


 

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Fotos und Text: M. Matter