Monatsveranstaltung vom 2. Februar 2015

Zum Schluss eines informationsreichen und anregenden Nachmittags erhielt Regierungsrat Lukas Engelberger, seit 1.August 2014 neuer Vorsteher des baselstädtischen Gesundheitsdepartements, einen kräftigen Applaus. In seinem gesundheits- und alterspolitischen Tour d'horizon zu wichtigen Themen stand er vielen, teils auch kritischen Fragen aus der Zuhörerschaft ohne Umschweife Red und Antwort.

Wie sich bald zeigte, liegt vielen GP-Mitgliedern und -Sympathisanten das Thema "Felix-Platter-Spital" und vor allem die sogenannte Passerelle besonders am Herzen. Gegen das Bauprojekt liegen keine Einsprachen vor, die Finanzierung ist gesichert, der Baubeginn für das neue Platter-Spittel kann noch dieses Jahr stattfinden. Die Funktionen bleiben dieselben wie heute, betonte Engelberger. Was mit dem bestehenden Bau geschieht, ist derzeit noch offen. Warum aber ein separates Spitalprojekt und keine Gesamtplanung auf dem Areal mit Wohnen,

Gesundheitszentrum und Geriatrie, möchte unsere Arbeitsgruppe "Wohnen im Alter" wissen. Es bleibe noch Platz, der Zug für eine Weiterentwicklung sei noch nicht abgefahren, entgegnete der Regierungsrat; das Platter-Spital aber hatte eben dringenden Sanierungsbedarf. Grundsätzlich möchte auch Engelberger gern gesamtheitlich denken, die Entwicklung laufe bereits in dieser Richtung. Immer wieder wurde gebohrt: was passiert mit der Passerelle, der Wartestation nach dem Spitalaufenthalt auf dem Weg ins Heim, bleibt sie im Konzept? Mehrfach erläuterte Engelberger: Es gibt heute erheblich mehr Heimplätze als früher, der Bedarf für Passerelle-Plätze geht zurück, somit muss das Spital reagieren. Auch in Zukunft werde es dieses Angebot brauchen, aber kaum mehr in grösserem Stil. Mehrere GP-Mitglieder, unter ihnen Co-Präsident Remo Gysin, machten sich stark für den Fortbestand der Passerelle. Engelberger versicherte, dass die Passerelle reduziert, "meines Wissens" aber nicht aufgehoben werde (zuständig ist der Spital-Verwaltungsrat).

Ebenso umstritten in den GP-Reihen ist die Abstimmungsvorlage vom 8.März 2015 über die Universitäre Zentrum für Zahnmedizin Basel (UZB). Das Projekt fasst die bisherigen, verstreuten Kliniken zusammen, kombiniert sie mit dem Uni-Zahnzentrum, das Ganze unter einheitlicher Leitung, erläuterte der Gesundheitsdirektor. Damit würden Patientenversorgung und universitäre Lehre/Ausbildung verknüpft; die heutigen sozialen Errungenschaften (für sozial Schwächere) sollen erhalten bleiben, so wie es unverändert im Gesundheitsgesetz verlangt wird. Nichts gegen die Zusammenlegung, meinte Remo Gysin, aber für die GP ist die Universität nicht nah genug an der sozialen Schulzahnmedizin, zudem macht diese weitere Verselbständigung misstrauisch. alb Deshalb unterstützen die Grauen Panther das Referendum.

Demografie und Alterspolitik
Die schweizerische Bevölkerungsentwicklung wird den baselstädtischen "Altersquotienten" in Bälde übertreffen, versichern die Prognostiker. Engelberger: "Heute ist Basel-Stadt der 'älteste' Kanton der Schweiz, das wird sich aber ändern". Bei den Alters- und Pflegeheimen ist der Kanton gut aufgestellt, eigentlich dürfte in Zukunft kaum mehr mit Mangelzeiten zu rechnen sein, meint der Sanitätsdirektor. Klar zeigen die Kurven, dass die Gesundheitskosten pro Person mit wachsendem Alter rasch zunehmen. Spontanen Applaus erhielt der Vorschlag aus den Zuhörerreihen, dass man einmal den Anteil der Seniorenschaft am Gesamtsteuerertrag ausweisen sollte, dies als Kontrapunkt zu den steigenden Gesundheitskosten mit wachsendem Alter... Seniorenpolitik habe schon seit langem eine hohe Priorität im Departement, versicherte Engelberger, Zum Beispiel sind die Seniorentreffpunkte Café Bâlance sehr beliebt. Viel Infos gibt es auf der Website www.aelterbasel.ch. Zur Diskussion steht auch ein Kompetenzzentrum für Altersfragen, das in den Reihen der Anwesenden klar befürwortet wurd (das zeigte sich auch an unserer Tagung im letzten November deutlich), ebenso wie die Unterstützung der pflegenden Angehörigen, mit Tages- und Nachtkliniken, wie es sie bereits gibt. Zu reden gab - wie immer - die Frage nach bezahlbaren Wohnformen, denn gewisse Angebote sind nur für besser Betuchte erschwinglich. Empfehlenswert ist die Internetplattform www.alterssiedlungen-bs.ch.

Zusammenarbeit mit Baselland
Partnerschaft liege ihm am Herzen, versicherte Engelberger; bei der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen "hat es noch Potenzial", umschrieb er die Lage diplomatisch. Am Entstehen ist eine Art gemeinsame Versorgungsplanung aller vier Nordwestsweizer Kantone. Vorerst aber bestehen die kantonale Spitallisten weiter, aber zwischen den beiden Basel besteht seit 2014 volle Freizügigkeit. Wünschenswert, so Engelberger, wären mehr gemeinsame Institutionen der beiden Basel, "aber man darf das nicht wie einen Selbstzweck forcieren, jede Veränderung muss zu einer Verbesserung führen und finanziell tragbar sein."
MM

 

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Fotos und Text: M. Matter