Monatsveranstaltung vom 5. Januar 2015

In den letzten Monaten war vielfach die Rede von Alters- und Pflegeheimen: Finanzierungs- und Personalfragen, Pflegekosten-Rückerstattung, Vorwürfe an Leitungen und anderes beschäftigten Medien und Politik. Unsere erste Monatsveranstaltung im neuen Jahr galt darum dem Thema Alters- und Pflegeheime in den beiden Basel. Und wiederum war das QuBa randvoll besetzt. Claudia Roche, Geschäftsführerin Verband gemeinnütziger Basler Alterspflegeheime (VAP) - sie ist übrigens seit langem GP-Mitglied - und ihr Baselbieter Amtskollege Andi Meyer, Geschäftsführer Verband Baselbieter Alters-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen (BAP) präsentierten zu drei Bereichen eine breite Palette von Informationen, und die vielen Fragen der Pantherinnen und Panther zeigten, dass das Thema unter den Nägeln brennt.

Was bekomme ich in einem Heim für mein Geld?

Derzeit gibt es in Basel-Stadt 3050 Pflegeplätze in rund 40 Heimen mit Leistungsaufträgen; rund 2800 Mitarbeitende leisten eine Million Pflegetage pro Jahr. Die Anmeldung erfolgt über das Gesundheitsdepartement (Abt.Langzeitpflege), dann kommt eine Pflegeberaterin nach Hause. Riehen und Bettingen besorgen die Anmeldungen selbst.

Die Zahlen im Baselbiet: Rund 30 APH, rund 3000 Pflegeplätze und ca 3000 Mitarbeitende. Die Zahl der Hochbetagten steigt im Baselbiet weiter an, es braucht in den nächsten Jahrzehnten noch viele zusätzliche Pflegeplätze, auch wenn alternative Wohn- und Betreuungsformen ausgebaut werden. Die Alterspolitik liegt wesentlich in der Kompetenz der Gemeinden. Anmeldungen erfolgen direkt im Heim. Teils bestehen Wartezeiten, teils nicht, in Notfällen kann es manchmal recht schwierig werden.

Alle Heime verfügen über Einzel- und Zweierzimmer mit Bad und Toilette. Ein APH-Zimmer muss mindestens 16 m2 gross sein, sodass es mit eigenen Möbeln ausgestattet werden kann. Zu den Angeboten gehören 24-Std.-Bereitschaft, Mahlzeiten, Wäsche- und Reinigungsservice, Radio/TV und, immer häufiger, Internetanschluss. Ein grosses Thema ist das Essen! Die Heime bemühen sich um individuelle Essensangebote (Listen mit Bedürfnissen, regelmässiger Austausch mit Küchenchefs), das bildet eine "grosse Herausforderung" (Meyer). Viele Menschen brauchen Diät. In Basel-Stadt liegt ein Schwerpunkt auf genügender Nährstoff-Versorgung, da viele Betagte nicht mehr so viel essen mögen (Roche).

  • Zur Alltagsgestaltung und Aktivierung werden in der Regel vielfältige Programme angeboten, BS hat das Personal dafür verdoppelt: Lesen, Gymnastik, Basteln, Spazieren und vieles mehr. Die Wünsche der Betagten sind unterschiedlich: die einen sind gern aktiv, andere möchten vor allem ihre Ruhe haben. Die Verweildauer der BewohnerInnen beträgt in BS im Schnitt bei Frauen 3,2 Jahre, bei Männern 2,2 Jahre.
  • Pflege: das Meiste kann das Heim selber leisten, die BewohnerInnen können ihren Hausarzt mitnehmen. Der Pflegebedarf ist heute schweizweit in 12 Pflegestufen eingeteilt. Die Hälfte des Heimpersonals hat eine Fachausbildung absolviert, ein weiteres Viertel verfügt über Ausbildung in Pflegeassistenz, die übrigen haben einen Grundkurs beim Roten Kreuz absolviert.

Pflegetaxen: In Basel-Stadt bestehen heute Einheitspreise bei allen Heimen. Für die Pflegestufe 1 sind das 5908 Franken im Monat, für die Stufe 12 lautet die Rechnung auf 13069 Franken (bei extensiver) Pflege); das Mittel bewegt sich bei etwa 7-8000 Franken. Ganz anders im Baselbiet: Die Taxen sind von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Die Finanzierung sieht in Basel-Stadt so aus: Die Bewohnerinnen bezahlen von der Pflegestufe 3 bis 12 immer max. (bei 31 Tagen) CHF 6‘252.70. Die Pflegestufen 1 und 2 liegen naturgemäss darunter. Zuschläge für besondere Wohnformen wie eine psychogeriatrische Abteilung sind darin nicht enthalten. Grund: der Kanton (in anderen Kantonen die Gemeinden) zahlt an die Pflegekosten alles, was der Krankenversicherer nicht übernimmt und über CHF 21.60 liegt. Dies ist eine Regelung der (nicht mehr so) „Neuen Pflegefinanzierung“.
Klar ist: Niemand muss aus finanziellen Gründen auf den geeigneten Platz verzichten. Aber vorhandene eigene Mittel müssen herhalten; wenn keine vorhanden sind, gibt es Ergänzungsleistungen. Die Rede kam auch auf den berühmten Vermögensverzehr: vor allem wenn ein Ehepaar im Heim wohnt, schmilzt das Vermögen "wie Schnee an der Sonne" (Co-Präsident Hanspeter Meier).

  •  Wird Exit in den APH akzeptiert? Das entscheidet in beiden Basel der Stiftungsrat des einzelnen Heims, in der Regel: ja

Demenz: Welche Betreuung bieten die Heime?

Hier wiesen Claudia Roche und Andi Meier darauf hin, dass etwa 60% der APH-BewohnerInnen tendenziell demenzerkrankt sind. Es besteht ein grosses Bedürfnis nach Sicherheit, Begleitung, Ruhe, Verlässlichkeit. Das behutsame Erspüren der Bedürfnisse ist "Detektivarbeit für die Pflegenden" (Roche). Auch die Bewegungsfreiheit gilt es nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten, etwa durch diskrete Beobachtung bei selbständigen Spaziergängen.

  • Dass der zunehmende fremdsprachige Anteil des Heimpersonals zu diesen Bemühungen im Widerspruch steht, wird nicht bestritten. Nach wie vor wird vom Personal Dialekt-Verständnis gewünscht, aber das wird mit der Zeit schwieriger. Positiv an der Vielsprachigkeit ist andrerseits der Umstand, dass diese Pflegenden auf die wachsende Zahl fremdsprachiger Bewohner eingehen können.
  • Persönlichkeitsschutz: Ist er gewährleistet, wenn ich dement werde? Dieses heikle Thema ist offenbar nicht geregelt. Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, dann soll bei den Angehörigen der mutmassliche Wille erkundet werden.

Lebensqualität: wie werden Angehörige einbezogen, wie ist bei Beschwerden vorzugehen?

"Lebensqualität im Heim ist nur im Zusammenwirken möglich" (Meyer). Sein Eindruck: Die Heime bemühen sich sehr um eine Vertrauensbasis mit den Angehörigen, oft ist es wie ein "gegenseitiges Vortasten". Aber es gelingt nicht immer, es gibt manchmal divergierende Meinungen, es braucht Gesprächsrahmen für Spannungen. Deshalb es jetzt neu auch im Baselbiet endlich eine Ombudsstelle für Altersfragen (siehe unten). Claudia Roche meinte: In der grossen Mehrheit funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Heimen und Angehörigen gut bis sehr gut oder zufriedenstellend. Aber es gibt natürlich auch Konflikte.

Ombudsstelle im Baselbiet: Aufruf zum Feedback

Zum Schluss kam die Rede noch ausführlich auf die seit Jahresbeginn arbeitende Baselbieter Ombudsstelle für Altersfragen. Sie liegt in den Händen von Regula Diehl, die dieses Amt schon seit längerem in Basel-Stadt ausübt. Der Schaffung dieser Stelle ging ein langes zähes Tauziehen voraus, an dem sich die IG Senioren Baselland und damit die GP an vorderster Front beteiligten. Das jetzige Modell sei eine "absolute Minimallösung", sagte Co-Präsident Hanspeter Meier, aber man müsse froh sein, dass es mindestens das gibt und sich hoffentlich mit der Zeit zu einer echten Alters-Stelle entwickeln werde. Zweifel an der Unabhängigkeit der Stelle wurden laut, denn für die Finanzierung im Baselbiet kommen der Spitexverband und der BAP auf. Allerdings nicht freiwillig, wie Andi Meyer betonte: Kanton und Gemeinden wollten nichts zahlen. Die beiden Verbände erfahren aber nicht, wer sich beschwert und welches Heim betroffen ist.

An die GP-Mitglieder ergeht der Aufruf, positive wie negative Erfahrungen mit dieser neuen Stelle zu melden (an Mitglieder der GP-Geschäftsleitung oder des Vorstandes), damit eine Weiterentwicklung in Gang kommen kann. 

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Fotos und Text: M. Matter