Berner Zeitung; 15.04.2016; Seite 14bo


FAMILIENLEBEN ZUKUNFTSSZENARIO

So lebt es sich mit bedingungslosem Grundeinkommen
Wenn jeder ein bedingungsloses Grundeinkommen von 2500 Franken im Monat hätte, wie würde sich das auf sein Leben auswirken? Wir wagen den Versuch und entwerfen ein mögliches Szenario für eine fiktive Familie. Ihr Alltag ist nicht einfacher als heute, aber in schwierigen Zeiten hat die Familie mehr Freiheiten und neue Möglichkeiten, ihr Leben zu gestalten.
Hinter der Initiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» steht eine Vision: Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) soll die Voraussetzungen dazu schaffen, unsere Lebensqualität zu steigern. Laut den Ökonomen und Initianten Christian Müller und Daniel Straub haben wir «unsere Wirtschaft zu unglaublicher Produktivität gebracht, doch sind wir nicht in der Lage, diesen Erfolg adäquat in Lebensqualität umzuwandeln». Die Initianten werfen deshalb die Frage auf: Wie kommen wir von einem bequemen Leben im Wohlstand zu einem guten Leben im Wohlstand?
Das BGE könnte durch die Lockerung der Kopplung von Arbeit und Einkommen jedem den Freiraum geben, sich ein Stück weit aus dem Hamsterrad zu befreien und regelmässig den Status quo im Leben zu hinterfragen. Es würde laut den Initianten «ein zeitgemässes System schaffen, in dem wir agiler auf neue Gegebenheiten und Umbrüche reagieren können».
Wie könnte das konkret aussehen? Wir spielen die Vision der Initianten am Beispiel einer fiktiven Familie durch und zeigen auf, welche Möglichkeiten sie im Laufe des Lebens dank einem bedingungslosen Grundeinkommen hätte, die ihr heute nicht so einfach zur Verfügung stehen. Das BGE für Erwachsene beträgt in unserem Beispiel 2500 Franken, für Kinder 600 Franken.
Das Jahr 2020: Hurra, das erste Kind ist da!
Vor einem Jahr haben Mark und Susanne geheiratet. Er ist 25 und Koch in einem Quartierrestaurant. Sie ist 27 und arbeitet bei der kantonalen Verwaltung als Steuerexpertin. Beide arbeiten 100 Prozent und leisten sich mit ihrem gemeinsamen Einkommen von rund 11 000 Franken im Monat eine hübsche Dreizimmerwohnung und einmal pro Jahr eine ausgedehnte Reise. Doch vor kurzem ist Susanne schwanger geworden, obwohl das Paar mit der Familiengründung eigentlich noch warten wollte, bis es ein kleines finanzielles Polster auf der Seite hat.
Was nun? Susanne möchte ihr Pensum nach der Geburt auf 60 Prozent reduzieren. Steuertechnisch macht es zwar wenig Sinn, aber für sie ist es wichtig, weiterhin zu arbeiten. Denn Susanne mag ihren Job. Und es gibt noch einen wichtigen Grund: Dank dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) hat sie als Teilzeitschaffende einen finanziellen Vorteil im Vergleich zu heute. Denn das BGE bleibt immer gleich hoch, auch wenn man das Arbeitspensum reduziert. Die 60 Prozent werden «nur» von Susannes Lohn berechnet, und dieser beträgt 3500 Franken. Das macht 2100 Franken (siehe Grafik links). Mit dem BGE kommt Susanne also auf 4600 Franken Einkommen bei 60 Prozent. Ohne BGE würde Susanne 60 Prozent ihres bisherigen Einkommens von 6000 Franken verdienen, also 3600 Franken im Monat. Mit dem BGE erhält sie satte 1000 Franken mehr. Und da die Tochter von Geburt an ebenfalls ein BGE von 600 Franken im Monat erhält, kommt die Familie auf über 10 000 Franken im Monat.
3 Jahre später: Er ist arbeitslos, sie wieder schwanger
Tochter Mira ist inzwischen drei Jahre alt. Das zweite Kind von Mark und Susanne ist unterwegs. Allerdings ist die Jobsituation von Mark alles andere als rosig – das Restaurant, in dem er Koch ist, kämpft ums Überleben. Ausserdem belastet es die Beziehung, dass sich das Ehepaar wegen Marks Einsatzzeiten am Abend und am Wochenende kaum noch zu Gesicht bekommt. Susanne fühlt sich am Wochenende mit der Tochter alleingelassen und als Partnerin vernachlässigt.
Beiden ist klar: Es kann so nicht weitergehen. Und als Mark kurz nach der Geburt seines Sohnes Sascha tatsächlich den Job verliert, ist die Zeit zum Handeln reif. Die Familie entscheidet sich für einen Weg, den sie ohne bedingungsloses Grundeinkommen aus finanziellen Gründen kaum in Betracht gezogen hätte. Mark sucht erst einmal keinen neuen Job. Er meldet sich auch nicht beim RAV an. Er bleibt zu Hause bei den Kindern. Mark erspart sich damit den für ihn demütigenden Weg aufs RAV und den ständigen Druck, sich neben der Kinderbetreuung und dem Haushalt mehrmals im Monat bewerben zu müssen.
Susanne sucht sich eine 100-Prozent-Stelle, weil sie mit ihrer Qualifikation mehr als Mark verdienen kann. Bei der Steuerverwaltung bewirbt sie sich für eine Kaderstelle – und bekommt sie. Ab jetzt führt sie ein kleines Team und erhält eine Lohnerhöhung von 1000 Franken im Monat. Obwohl nun lediglich Susanne erwerbstätig ist, hat die Familie dank dem BGE gleich viel Geld zur Verfügung wie damals, als Mark und Susanne beide noch 100 Prozent gearbeitet haben. Denn anders als heute erhält Mark für seine Arbeit im Haushalt und für die Verantwortung bei der Kindererziehung jeden Monat 2500 Franken bedingungsloses Grundeinkommen. Und auch die beiden Kinder bekommen ein BGE von je 600 Franken im Monat.
Allerdings merkt Mark bald, dass ihm die Kindererziehung zwar Spass macht, dass ihm aber die Arbeit fehlt. Zum Glück braucht ein guter Freund Hilfe in der Restaurantküche. Die Sache hat nur einen Haken: Der Freund kann sich eine weitere Arbeitskraft nicht leisten. Dank dem bedingungslosen Grundeinkommen kommt dennoch eine Winwin-Lösung zustande: Da Mark dank seinem BGE nicht unbedingt auf mehr Geld angewiesen ist, hilft er seinem Freund sporadisch unentgeltlich aus. Er ist froh, kommt er am Abend wieder «raus», und manchmal gibt ihm sein Freund sogar ein Trinkgeld.
Und da ist noch was: Mark hat eine Geschäftsidee, die er schon länger mit sich herumträgt. Mit seinem gastronomischen Knowhow möchte er ein veganes Catering aufbauen. Allerdings fehlt ihm der betriebswirtschaftliche Hintergrund.
10 Jahre später: Er hat ein veganes Catering, sie ein Burnout
Mark ist happy. Er hat sich mit seiner Idee des veganen Caterings selbstständig gemacht. Wie es dazu kam? Ein alter Schulfreund, der bei einer Bank Kundenberater war, verlor seinen Job. Die Bank hat einige Vermögensberater entlassen und durch intelligente Software ersetzt – eine Tendenz, die auf dem Arbeitsmarkt immer mehr zu spüren ist. Kurzum: Mark und sein Schulfreund, ein Betriebswirt, spannten zusammen. Das Catering stiess auch bei zwei älteren Damen im Quartier auf Interesse. Statt einsam zu Hause zu sitzen, packten sie lieber bei der Zubereitung des Cateringangebots mit an.
Der gut bezahlte Job seiner Frau und das bedingungslose Grundeinkommen erleichtern Mark den Weg in die Selbstständigkeit: Er kann sich mit dem Cateringaufbau Zeit lassen. Neben dem Engagement, das er in die Geschäftsentwicklung steckt, bleibt noch Zeit und Energie für die Familie. Und auch, als im fünften Jahr die Geschäfte schlecht laufen und Mark so gut wie nichts verdient, übersteht die Familie diese Zeit weitgehend ohne Existenzängste.
Susanne hat hingegen weniger Glück. Ihre Sandwichposition als mittleres Kader entpuppt sich nach den ersten drei Jahren primär als aufreibend. Mit ihrem neuen Chef kommt Susanne überhaupt nicht klar. Zudem plagt sie das schlechte Gewissen, bei ihrem 100-Prozent-Job nie genug Zeit für die Kinder zu haben. Gleichzeitig hat sie Angst, ihr Pensum zu reduzieren. Dieselbe Arbeit in weniger Zeit erledigen zu müssen, würde sie endgültig überfordern.
Während Mark in seiner Selbstständigkeit immer mehr aufblüht, brennt Susanne immer mehr aus. Klar, leidet auch die Ehe wieder darunter. Susanne braucht dringend eine Auszeit, vom Job und von Mark – und das bedingungslose Grundeinkommen eröffnet ihr diese Möglichkeit. Susanne kündigt ihren Job und verabschiedet sich für drei Monate von der Familie. Mit ihren 2500 Franken BGE im Monat mietet sie ein Zimmer in den Bergen und kommt für ihre Lebenskosten auf. In der Abgeschiedenheit hat sie endlich Zeit und Ruhe, wieder zu sich zu finden.
21 Jahre später: Nochmals die Kurve gekriegt. Aber was wird aus den Kindern?
Zurück im Familienleben geht Susanne die Dinge sachte an: Sie holt die «verpasste» Zeit mit den Kindern nach, organisiert den Mittagstisch im Quartier und bietet Aufgabenhilfe an. Als ihr Vater kurz vor seinem Tod pflegebedürftig wird, beschliesst Susanne, sich um ihn zu kümmern. Ihrer komplizierten Vater-Tochter-Beziehung tut die letzte gemeinsame Zeit sehr gut. Auch wenn Susanne für ihren Einsatz für die Gemeinschaft keinen Lohn bekommt, findet sie in dieser Beschäftigung mehr Befriedigung und Sinnhaftigkeit als im früheren Job. Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet für sie die finanzielle Anerkennung für ihr freiwilliges Engagement.
Doch kaum fühlt sich Susannes Leben wieder stabil an, kommen die ersten Sorgen wegen der Ausbildung der Kinder. Tochter Mira bringt nach dem Gymnasium Praktika als Kinderpädagogin, Eventmanagerin und Webdesignerin hinter sich, doch keines gefällt ihr wirklich. Also geht sie für drei Monate auf Reisen. Sohn Sascha ist hingegen schon als Kind vom Business seines Vaters angetan. Für ihn ist klar, dass er eine Hotelfachschule besuchen will. Und dass er einen Teil seiner Ausbildung am liebsten in Japan absolvieren würde – vegane Sushi sind gerade im Trend. Nach längerem Hin und Her ringt sich auch Mira durch und beschliesst, Medizin zu studieren.
Während der Selbstfindungsphase ihrer Kinder können Mark und Susanne relativ cool bleiben. Wieso? Ihre Kinder haben dank dem bedingungslosen Grundeinkommen eigene finanzielle Mittel, diverse Dinge auszuprobieren, ohne dass die Eltern dafür tief in die Tasche greifen müssen. Allerdings gibt es am Familientisch mühsame Diskussionen darüber, ab wann und wie weit die Kinder selbst über ihr BGE verfügen dürfen, zumal beide mit 18 Jahren 2500 Franken im Monat erhalten. Die Kompromisslösung: Sascha finanziert sich damit einen grossen Teil seines Japan-Aufenthalts, die Eltern bezahlen lediglich die Schulkosten. Mira darf einen Teil fürs Reisen ausgeben, den Rest spart sie, sodass sie mit 20 in eine WG ziehen und vor allem ihr Studium von den Eltern finanziell unabhängig absolvieren kann.
Gesagt, getan: Mira ist seit einem Jahr aus dem Haus und finanziert sich so gut wie selbst, Sascha will nach seinem Japan-Aufenthalt mit Kollegen zusammenziehen. Mark und Susanne haben ohne das BGE ihrer Kinder rund 10 000 Franken Einkommen im Monat. Das reicht, um den Lebensstandard halten und den Kindern ab und zu einen finanziellen Zustupf geben zu können. Wenn Marks Catering weiter gut läuft, werden sie sich vielleicht bald wieder grosse Reisen leisten können, wie damals, als sie jung und kinderlos waren.
Lucie Machac
ABSTIMMUNG 5. Juni
Gesamteinkommen: 10200 Franken im Monat
Gesamteinkommen: 10 700 Franken im Monat
Gesamteinkommen: 14 000 Franken im Monat
Gesamteinkommen: 15 000 Franken im Monat
Lesebeispiel:
Neu setzt sich das Einkommen der Eltern aus dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) und dem Lohn für ihre Erwerbstätigkeit zusammen. Der Lohn wird um den Betrag des BGE sinken. Im Schnitt bleibt das Monatseinkommen der Eltern gleich hoch wie heute.

Das Neuste

Monatsversammlung vom 8. Januar 2018 - Informationsstellen BS und BL

Auskunft und Beratung, einfach und direkt

Niederschwellige Info-Stellen für Altersfragen werden immer wichtiger

Das Thema beschäftigt die Grauen Panther schon lange, und zwar in beiden Basel; die beiden GL-Mitglieder und Moderatoren Hanspeter Meier und Max Gautschi waren selber auch an den einschlägigen Arbeiten beteiligt. Alle kennen das Lied: Man sucht eine bestimmte Dienstleistung, weiss aber nicht, wo und wie man an sie herankommt. Vor allem in Basel-Stadt gibt es ein überaus grosses Angebot an Dienstleistungen, es ist aber sehr unübersichtlich. Und im Baselbiet macht(e) jede Gemeinde etwas anderes, es gilt sich manchmal mühselig von Pontius zu Pilatus durchzufragen. Darum, darüber herrscht Einigkeit, braucht es niederschwellige Info- und Beratungsstellen, die unkompliziert weiterhelfen und -vermitteln können. In Basel besteht die Stelle seit kurzem, im Baselbiet bzw. in den 86 Gemeinden sind die Arbeiten sehr unterschiedlich weit fortgeschritten. An unserer gutbesuchten Monatsversammlung vom 8.Januar  gaben der Basler Gesundheitsdirektor, Regierungsrat Lukas Engelberger, und Bianca Maag, die Präsidentin des Verbandes der Baselbieter Gemeindenund GP-Mitglied, ausführlich darüber Auskunft.

Zentrale Anlaufstelle in Basel

Die Stelle "info älter werden" in Basel funktioniert seit dem 15. November 2017, und zwar am Rümelinsplatz, wie Engelberger nicht ohne Stolz schildern konnte. Aufgebaut wurde sie vom Kanton zusammen mit Partnerorganisationen wie GGG, Stadtteilsekretariate, Pro Senectute, 55+ Basler Seniorenkonferenz, Vertretung der Migranten. Die Basis bildete die zweite Befragung der Bevölkerung 55+. Dabei wurde klar, dass die Informationen über die sehr vielen Angebote viel besser zugänglich gemacht werden müssen, da die Lage anerkanntermassen sehr unübersichtlich war. Die neue zentrale Stelle ist laut Engelberger eine Drehscheibe mit Triage-Funktion, d.h. man wird direkt an die richige Stelle oder Institution weitergeleitet. Hier gibt es Auskunft zu Fragen rund um Beruf, Gesundheit, Finanzen, Pflege und Betreuung, Freiwilligenarbeit oder Wohnen im Alter. Oder zu Spitexdiensten, Pflege- und Wohnmöglichkeiten und den damit verbundenen finanziellen und sozialen Themenkreisen. Angedockt ist die Infostelle am "GGG-Wegweiser," eine bereits vorhandene grosse Datenbank zum sozialen Basel. Eine zentrale Anlaufstelle für Altersfragren war übrigens einer der neun Hauptpunkte der Alterspolitik, wie Engelberger in Erinnerung rief. Die Stelle steht allen Personen über 55 zur Verfügung, als Helfer fungieren freiwillige Fachleute, Auskünfte werden persönlich oder am Telefon erteilt. Bisher haben laut Engelberger um die 120 Leute die Infostelle in Anspruch genommen und äusserten sich grossmehrheitlich sehr zufrieden; zusätzlich gebe es auch grosses Interesse von Institutionen. Im ersten Betriebsjahr wird die Stelle regelmässig ausgewertet; vielleicht könnte sie später auch als eine Art Seismograph für Problemstellungen dienen, wie ein GP-Mitglied vorschlug.

In BL ist alles viel komplizierter...

"Baselland ist halt noch etwas hintendrein, allerdings haben wir ja auch 86 Gemeinden, da ist alles komplizierter als in der Stadt", umriss Bianca Maag einleitend die aktuelle Situation im Landkanton. Die Gemeinden lösen die Aufgabe bisher sehr unterschiedlich, von speziellen Stellen bis zur Auslagerung an Pro Senectute oder an ein Altersheim. Das Ziel: niederschwellige Information und zudem auch Beratung. Maag zitierte einige Beispiele wie Reinach mit seiner neuen Koordinationsstelle für Altersfragen: niederschwellig, nimmt sich Zeit, einfache Beratung, Vermittlung (Triage), Kontakt mit Fachstellen und -personen. Andere Gemeinden haben ähnliche Stellen, andere praktisch noch gar nichts.
Das muss sich nun ändern. Denn das seit Anfang Jahr in Kraft stehende neue Gesetz über die Betreuung und Pflege im Alter schreibt vor: Die Gemeinden betreiben innerhalb der (noch zu bildenden) Versorgungsregionen je eine Info- und Beratungsstelle zu Altersfragen oder betrauen eine geeignete Institutionen mit dieser Aufgabe. Beratung und Bedarfsabklärung vor dem ersten Heimeintritt muss obligatorisch durch Pflegefachpersonen erfolgen. (Dieser Punkt ist übrigens in Basel anders geregelt, wie Engelberger präzisierte: "info älter werden" gibt keine Beratung über Heime, das läuft weiterhin ausschliesslich über das Gesundheitsdepartement). Neu bestimmt das BL-Gesetz auch, dass die Stellen unabhängig von den Leistungserbringern organisiert sein müssen. Der Kanton seinerseits betreibt eine Informationsplattform für Alters- und Betreuungsfragen. Die Gemeinden haben zudem eine zentrale Ombudsstelle für Altersfragen und Spitex zu schaffen.

Viel Arbeit steht bevor

Die Gemeinden sind jetzt gefordert, sagte Bianca Maag. Für die Schaffung der Versorgungsregionen haben sie drei Jahre Zeit. Im Laufental etwa ist Versorgungsregion bereits da, jetzt folgen Bedarfsabklärungen. In der Birsstadt laufen Gespräche über die gemeinsame Umsetzung des Gesetzes. Im Waldenburgertal besteht auch schon eine Stelle. In diversen Regionen sind Sachen angedacht. Aber das Ziel, qualifizierte Beratung vor dem ersten Heimeintritt zu bieten, sei noch eine grosse Herausforderung für die Gemeinden. "Es ist im Baselbiet noch nicht so viel vorhanden, aber wir sind dran", bilanzierte die VBLG-Präsidentin. Doch Verbände wie die Grauen Panther haben jetzt ein Problem: Die Gemeindeautonomie in Baselland erschwert den GP die Zusammenarbeit, Gemeinden wollen gern allein entscheiden. "Ich habe ein ungutes Gefühl", sagte Hanspeter Meier, denn wir möchten gute Beratungsstellen für unsere Bedürfnisse und nicht irgendwelche politisch gebauten Stellen.

Noch keine Regionalisierung

Mehrfach wurde in der lebhaften Diskussion die fehlende Regionalisierung im Pflegebereich angesprochen. Engelberger: "Längerfristig müssen wir auch das Pflegeheimwesen regionalisieren, so wie wir es jetzt beim Spitalwesen planen". Immerhin können heute schon BL-Einwohner in ein Pflegeheim in Basel eintreten, aber es bleibe ein Restfinanzierungs-Thema. Der Satz einer Baselbieterin "Ich hätte gar nichts gegen einen grossen Kanton Basel" erhielt spontanen Applaus. In der Diskussion wurde etwa angeregt, dass der VBLG in diesem Thema wie schon in anderen Bereichen eine Vorreiter-Rolle übernehmen und beispielsweise ein Reglement für eine Muster-Infostelle schaffen könnte. Eine frühere Therwiler Gemeinderrätin mahnte, realistisch zu bleiben: Die Schaffung der Versorgungsregionen werde noch sehr viel Energie benötigen. Mir wei luege...

Martin Matter