Der Schlussbericht wurde am 5. Mai 2015 veröffentlicht und ist hier zu finden:

http://www.baselland.ch/fileadmin/baselland/files/docs/vsd/altersfragen/schlussbericht_massnahmenplanung_wohnen_im_Alter.pdf 

Das Neuste

¨Politische Medien brauchen Unterstützung

Monatsversammlung vom 3. Februar 2020

Der gesellschaftliche Wandel, Einbruch bei Werbeeinnahmen und sinkende Leserzahlen setzen den traditionellen Medien zu. Doch die Demokratie braucht unabhängige und kritische Medien. Politischer Journalismus im Sinne des «Service Public» müsse daher vom Staat unterstützt werden, so Medienprofessor Roger Blum.

«Unser traditionelles Medienverhalten ist am Austerben», brachte es Martin Matter auf den Punkt. Der ehemalige Leiter Baselland der Basler Zeitung hatte für das Thema «Medienwelt im Umbruch» für die Grauen Panther einen kompetenten Referenten gewinnen können: Roger Blum emeritierter Professor für Medien an der Uni Bern, früherer Journalist (Tages Anzeiger, Basellandschaftliche Zeitung) und Politiker (Baselbieter Landrat). Zur Zeit ist Blum Ombudsman der SRG. Einen Posten den er demnächst abgeben wird.

 Wie sehr sich die Welt und damit die Medien innerhalb von hundert Jahren verändert haben, legte er in einem Dreierschritt dar. 1920 waren Zeitungen die politischen Meinungsmacher. Radio und Fernsehen gab es noch nicht. Auch in Basel wurden zahlreiche Zeitungen gedruckt. Leser und Redaktoren waren dabei einer bestimmten Weltanschauung verbunden: National Zeitung (Freisinnige), Basler Nachrichten (Liberale), Basler AZ (Sozialdemokraten), Vorwärts (Kommunisten), Basler Volksblatt (Katholisch-Konservative).

Auch fünfzig Jahre später, 1970, gab es diese Pressevielfalt noch. Doch die ersten Brüche zeichneten sich ab. So habe sich die National Zeitung geöffnet, sagte Blum: Sie habe Ideen der 68er-Bewegung aufgenommen und sei beispielsweise gegen ein AKW in Kaiseraugst aufgetreten. Das Jahr 1968 sei ein gesellschaftlicher Einschnitt gewesen. Die Gesellschaft sei offener geworden. Die klassischen Parteizeitungen hingegen seien dem Untergang geweiht gewesen. Weniger Abonnenten, weniger Werbeeinnahmen in einem immer härter umkämpften Werbemarkt. In Basel kam noch der Fusionsschock von 1976/77 dazu (Fusion von National Zeitung und Basler Nachrichten zur ungeliebten Basler Zeitung). Im Gegensatz zu 1920 gab es nun auch Radio und Fernsehen – aber nur als Monopol der SRG.

Zeitungen kämpfen ums Überleben

2020 ist alles anders: Die Monopole bei Radio und Fernsehen sind gefallen. Auch grosse Zeitungen kämpfen ums Überleben. Grosse Verlagshäuser wie Ringier und Tamedia verdienen heute ihr Geld mit branchenfremden Geschäften (Tamedia mit kommerziellen Internet-Plattfomen, Ringier mit Events). «Die Verleger haben ihre Villen und Luxusjachten weiterhin,» stellte Blum fest. Bei ihren Zeitungen setzen sie jedoch den Sparhebel an: Weniger finanzielle Mittel führt zu einer Ausdünnung der Redaktionen. Die Lesenden sind mit dem verbliebenen Angebot unzufrieden, künden das Abonnement – neue Sparrunden sind die Folge.

Die Digitalisierung führt dazu, dass immer mehr Informationen aus dem Netz geholt werden.  Die Zahlungsbereitschaft sinkt. Vor allem viele junge Menschen holen sich ihre Informationen nur noch in sozialen Medien. Man bewege sich in denselben Kreisen mit denselben Themen. «Das führt dazu, dass viele Leute gar nicht wissen, dass am 9. Februar bei uns eine Abstimmung stattfindet.»

Chancen und Gefahren

Angesichts der Digitalisierung der Medienwelt ortet Blum Chancen und Gefahren. Es gebe eine gewisse Orientierungslosigkeit: Wem könne man noch glauben, welche News seien noch «wasserdicht». Viele Informationen seien reine Propaganda. Plattformen wie Google oder Facebook «bestimmen, was wir wissen sollen». Finanzierungslücken bedrohen einen unabhängigen und kritischen Journalismus.

Blum sieht aber auch Chancen: «Wir haben eine weltweite Auswahl an Informationen». Die neuen Medien ermöglichen es jedem Einzelnen, sich in Diskussionen einzubringen. Zudem seien sie standort- und zeitunabhängig nutzbar. Einen kaum bekannten weiteren Grund nannte Blum: Die Disparität werde kleiner. Früher waren die Länder von Afrika, Lateinamerika und teilweise auch von Asien ganz auf Europa und Amerika angewiesen. Die dortigen Agenturen bestimmten das Informationsangebot.

Auch für die Schweiz sieht Blum Lösungsansätze: Ausgehend von der Grundüberzeugung, dass ohne unabhängigen Journalismus Demokratie nicht möglich ist, plädiert er für alle Medien, die über Abstimmungsvorlagen und Wahlen berichten, staatliche Unterstützungsgelder. Diesen Service Public biete nicht nur die SRG. Über eine «Demokratieabgabe», die höher als die derzeitigen Radio- und TV-Gebühren sind, müsse der Bund entsprechende Mittel zur Verfügung stellen. Zur Sicherung der Unabhängigkeit der Medien sei eine Stiftungsform für die Verteilung der Gelder zu wählen, die sich an bestehende Modelle (Nationalfonds, Pro Helvetia) anlehne. Dabei sei sicherzustellen, dass das Geld in den Journalismus «und nicht in die Taschen der Verleger» fliesse.

Ferner forderte Blum, dass Plattformen wie Google oder Facebook verpflichtet werden, Hasskommentare vom Netz zu nehmen. Es brauche eine Co-Regulierung (Staat und Selbstregulierungsgremien). Seiner Zuhörerschaft empfahl Blum die Wahl von vertrauten Medientiteln wie NZZ, Tagesanzeiger oder Süddeutsche Zeitung, die Garanten für Qualität seien.

In der anschliessenden von Martin Matter moderierten Diskussion wurde Blum gefragt, warum er die BaZ nicht genannt habe (ist sie nicht vertrauenswürdig). Blum wich in seiner Antwort aus. Die Lokalredaktion kenne er zu wenig, für den überregionalen Teil (der vom Tagi übernommen wird) gelte dies jedoch ebenfalls. Im Übrigen drehte sich die Diskussion hauptsächlich um die angeblich für Senioren zu hohen Abonnementspreise und wie man in den Genuss von verbilligten Abonnementen oder zu Gratislektüre kommen kann. Anmerkung des Autors dieser Zeilen: Genau das also, was auch noch die letzten Zeitungen schwächen würde.

 

Martin Brodbeck

 
Foto H.P. Meier   Foto M. Matter

Berichte in Medien

Graue Panther sind besorgt über Medienwandel, Tele Basel vom 4.2.2020

Onlinereports:
"Ohne Informationsmedien ist die Demokratie tot"
Der Medienwissenschafter Roger Blum fordert vor den "Grauen Panthern" eine Demokratie-Abgabe
Von Peter Knechtli